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Das letzte Eis serviert

CASTROP-RAUXEL Zwei Jahre wollte Antonio Gei in Deutschland bleiben. 49 sind es geworden. Jetzt will er nach Italien zurück. Seine Eisdiele am Biesenkamp hat der 73-Jährige daher zum 1. August geschlossen. RN-Redakteurin Julia Grunschel besuchte ihn zum Abschied.

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Das letzte Eis serviert

<p>Antonio und Alessandra Gei packen ihre Sachen.</p>

Müde sieht er aus, müde fühlt er sich. "Ich hab keine Lust mehr", ist er ehrlich. 44 Jahre und sechs Monate hat Antonio Gei den eigenen Betrieb geführt. "Bis zum Schluss habe ich alles selbst gemacht", sagt der kleine Mann stolz. Doch das ist es auch, was ihm jetzt zu viel geworden ist. "Ich schaffe es nicht mehr", sieht er ein. Tochter Alessandra will das Geschäft nicht übernehmen. Die 36-Jährige begleitet ihren Vater nach Pieve di Cadore.

Von Italien nach Peine

Vom Eis machen und Eis verkaufen will auch sie Abstand nehmen. Vor Jahrzehnten wollte das auch Antonio Gei. Als Junge will er Mechaniker werden. In die Fußstapfen seines Vaters, früher ebenfalls Besitzer einer Eisdiele, will er nicht treten.

Stattdessen fängt er als 13-Jähriger in einer Brillenfabrik an, arbeitet an der Drehbank. "Auf einem Höckerchen, weil ich zu klein war", erinnert er sich. Antonio Gei wird Vorarbeiter. Als er 24 Jahre alt ist, arbeiten 35 Männer unter ihm. Doch die Bezahlung ist schlecht, er verlässt Italien und landet in Peine - in einer Eisdiele.

In Niedersachsen lernt er das Handwerkszeug, wechselt aber 1960 nach Essen. "In die damals größte Eisdiele Europas. Toscani hatte 260 Plätze", ist er noch immer beeindruckt. Nach drei Jahren will er sich selbstständig machen. "Aber in einer kleinen Stadt", legt er 1963 fest. Vier bis fünf Jahre plant er für Castrop-Rauxel ein...

Heute ist hier seine zweite Heimat. Immer von März bis Oktober. Die andere Hälfte des Jahres verbringt er in Pieve di Cadore. Heimweh hat er immer. Im Sommer nach Italien, im Winter nach Deutschland. Das Hin- und Hergerissensein ist Teil seines Lebens. "Bedauert habe ich das nie", blickt er zurück.

Nur noch als Tourist nach Castrop-Rauxel

In Italien will er sich nun um zwei ältere Schwestern kümmern. "Hierhin komme ich nur noch als Tourist", verspricht Antonio Gei. Um zu gucken, was aus seiner Eisdiele geworden ist. Die hat er an den Lüner Olaf Jansen verkauft. Und um seine Freunde und Weggefährten zu besuchen: "Sie werde ich besonders vermissen." jug

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