Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Erinnerungen an einen Weltmeister

CASTROP-RAUXEL Fast elf Millionen Zuschauer vor den Fernsehgeräten während des Endspiels bei der Weltmeisterschaft der Fußballfrauen. Gut 15.000 Fans tags darauf beim Empfang auf dem Frankfurter Römerberg. Und in Castrop-Rauxel? Da kramt man jetzt wieder gern in den Erinnerungen an vergangene Tage.

Erinnerungen an einen Weltmeister

<p>Im Februar 1995 machten DFB-Trainer Gero Bisanz (links) und Spielführerin Silvia Neid mit der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft vor dem Länderspiel in Bochum im Castrop-Rauxeler Hotel Goldschmieding Station. RN-Archiv-Foto Bischof</p>

Denn wäre die Equipe um Birgit Prinz, die Spielführerin des nun zweimaligen Weltmeisters, am Ende noch im Hotel Goldschmieding abgestiegen, wäre die Herberge an der Dortmunder Straße wohl ähnlich dicht umlagert von neuen Freunden des Frauenfußballs worden, wie vor Jahresfrist, als dort die deutschen Männer zweimal während des Sommermärchens dort logierten.

Wie sich die Zeiten doch ändern. Vor zwölf Jahren, im Februar 1995, gastierte die Frauen-Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zum bislang einzigen Mal in Castrop-Rauxel - im Hotel Goldschmieding. Völlig unbehelligt von der breiten Öffentlichkeit, lediglich besucht von vereinzelten Journalisten und Autogrammjägern. Dabei bereitete sich die Mannschaft von Bundestrainer Gero Bisanz in der Europastadt immerhin auf das anstehende Rückspiel im Europameisterschafts-Halbfinale vor. Gegen England, im Bochumer Ruhrstadion.

Die stürmische Neid und die junge Prinz

Damals waren in Castrop-Rauxel drei Spielerinnen zu Gast, die auch jetzt zur erfolgreichen DFB-Delegation bei der Frauen-WM in China gehörten: Silvia Neid, ehemals Stürmerin und Rekord-Nationalspielerin, heute Frauen-Bundestrainerin, in der Schlussphase ihrer aktiven Zeit; Birgit Prinz, Stürmerin, zweifache Weltfußballerin, am Anfang ihrer Karriere; Maren Meinert, damals Dauerläuferin im Mittelfeld, inzwischen Co-Trainerin von Silvia Neid.

Silvia Neid, damals im zehnten Jahr für den ehemaligen Serienmeister TSV Siegen am Ball, bestritt bei dem mühsamen 2:1-Sieg gegen England ihr 91. Länderspiel. Ein Jahr später beendete sie nach 111 internationalen Einsätzen und 48 Toren bei den Olympischen Spielen in Atlanta (USA), übrigens mit einem 1:1 gegen Brasilien, ihre aktive Laufbahn und begann ihre zweite, jetzt mit dem WM-Titel gekrönte Karriere als DFB-Trainerin.

Birgit Prinz, damals gerade 17 Jahre alt, öffnete dem deutschen Team, nach frühem Rückstand und dem glücklichen Ausgleich durch ein Eigentor der Engländerinnen, mit dem 2:1, ihrem bereits fünften Tor im zehnten Länderspiel (von inzwischen 171), die Tür zum EM-Finale. Das gewann Deutschland davier Wochen später in Kaiserslautern mit 3:2 gegen Schweden; im Sommer folgte das erste WM-Finale für die DFB-Elf.

"Die würden noch nicht mal in der Kreisliga spielen"

Der holprige Auftritt des seinerzeit zweimaligen Europameisters Deutschland rief natürlich rasch die Kritiker mit ihren bekannten Vorurteilen gegenüber des Frauenfußballs auf den Plan. "Die würden bei uns noch nicht mal in der Kreisliga spielen dürfen", höhnten etwa Vereinsfunktionäre, die als vermeintliche Journalisten kostenlose Sitzplätze auf der Pressetribüne gesichert hatten, lauthals. Gut, dass sich die Zeiten geändert haben.

Silvia Neid und Birgit Prinz haben seither ihren Weg gemacht. Und auch ein Wunsch von Silvia Neid ist zumindest während der letzten drei WM-Wochen Wirklichkeit geworden. Im Interview mit den Ruhr Nachrichten sagte sie damals: "Vielleicht werden mit der Einführung der eingleisigen Bundesliga Sponsoren und Fernsehen wach."

Anzeige
Anzeige