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Eskimo Callboy spielen in Köln kuriosen Unisex-Rock

Hartes für die Jungs, Melodisches für die Mädels

Castrop-Rauxel Nicht unwirtliche arktische Breiten, sondern Castrop-Rauxel ist die Heimat von Eskimo Callboy. Das Sextett verdient sein Geld auch nicht mit sexuellen Dienstleistungen, zumindest nicht im engeren Sinne. Die Texte der Band sind zwar im Konzert kaum zu verstehen – sie gehen aber gut als Sex-Projektionen pubertierender junger Männer durch.

Hartes für die Jungs, Melodisches für die Mädels

Eskimo Callboy aus Castrop-Rauxel spielten am Samstag in der ausverkauften Live Music Hall in Köln. Foto: Thomas Brill

Musikalisch produzieren die Eskimos seit 2010 eine irrwitzige Metalllegierung aus hartem Metalcore und Trancecore sowie eingängigem Elektropop, eine Mischung, an deren Tragfähigkeit man zunächst nicht so recht glauben will.

Eskimo Callboy machen Party in Köln

Eskimo Callboy aus Castrop-Rauxel machten auf ihrer "The Scene"-Tour am Samstag Station in Köln.
Eskimo Callboy aus Castrop-Rauxel machten auf ihrer "The Scene"-Tour am Samstag Station in Köln.
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Mit „The Scene“, dem Titelsong des im vergangenen Jahr veröffentlichten vierten Albums, mischt Eskimo Callboy die rund 1200 Fans in der ausverkauften Kölner Live Music Hall heftig auf. Dichter Bühnennebel, Stroboskoplicht-Gewitter und Konfettiregen lassen die springenden Fans vor der Bühne jubeln. Kreischend krachige Gitarrenriffs und ein gruftig grollender Gesang, bei dem Sebastian „Sushi“ Biesler und Kevin Ratajczak ein perfektes Vokal-Duo abgeben, lassen keinen Zweifel, dass Größen wie Nine Inch Nails, Rage Against the Machine“ oder der frühe Marilyn Manson als musikalische Inspirationsquellen herhalten mussten.

Abfeiern bis der Arzt kommt

Diese Hardcore-Crossover-Prügelei ist jedoch nur eine Seite von Eskimo Callboy. Die andere biedert sich in verblüffenden Breaks immer wieder seichten Mainstream-Pop-Anleihen an. Die Stimmen klingen dann in unnatürliche Höhen gepitcht, die auf Eingängigkeit getrimmten Refrains könnten von beliebigen US-Pop-Größen, bei „My Own Summer etwa von Katy Perry, stammen, die Synthesizer-Sequenzen könnten auch von David Guetta und Co. entliehen sein.

Eskimo Callboy präsentiert eine kuriose Art von Unisex-Rock: harte Rhythmen für die Jungs und Melodisches für die Mädels. Als gemeinsamer Nenner bleibt das Ziel Party zu machen, nur ist die von Eskimo Callboy ein bisschen exzessiver. Nach zwei bejubelten aktuellen Songs gibt es auch „alte Möhrchen“ wie das gleichfalls freudig begrüßte „We Are the Mess“. Das Ziel ist vorgegeben und heißt Party bis der Notarztwagen kommt, der sicherheitshalber schon vor der Halle geparkt hat.

Viel Krach, wenig Ideen

Warm soll es nach dem Wunsch der Eskimos in der Halle werden, doch der Klimawandel fällt ungleich dramatischer aus, denn es wird richtig heiß. Und weil dies so ist, fliegen vereinzelt halb gefüllte Bierbecher über die Köpfe der Fans. Alles gehört zum Party-Programm, dessen Energie alsbald nur noch Attitüde ist, da das musikalische Konzept zwar viel Krach enthält, jedoch was Ideen anbetrifft ziemlich auf der Stelle tritt. Die Fans lassen sich deshalb vom Feiern nicht abbringen und am Ende gibt es noch mehrere Zugaben, darunter das euphorisch abgefeierte „MC Thunder“.

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