Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Langes Warten auf den Zug

CASTROP-RAUXEL Die Atmosphäre am Rauxeler Hauptbahnhof ist beinahe gespenstisch. Nur eine Handvoll Personen harren auf den beiden Bahnsteigen zu den Gleisen 1, 2 und 3 aus, blicken die neblig verhangenen Gleise entlang. Richtung Dortmund. Richtung Herne. Nichts!

/
Carolin Lion hat Zeit und liest noch ein paar Seiten.

Wenn auch der nächste Zug nicht fährt, muss Velsamy Sarvakalaivanan einen Tag Urlaub opfern.

Dann eine Durchsage: "Die S-Bahn Richtung Herne auf Gleis 2 fällt aus." Ebenso die Regionalbahn in Richtung Duisburg. Und auf die wartet Alexander Mörler mit seiner kleinen Tochter Marie. Ihn hat der Streik der Lokomotivführer kalt erwischt. Der Frankfurter war am Donnerstag mit der Bahn ins Ruhrgebiet gekommen, um seine Tochter in der Dattelner Kinderklinik untersuchen zu lassen. Nun wollen die beiden wieder heim. Doch das wird problematisch.

Anschluss verpasst

Schon über eine Stunde sitzen Vater und Kind auf dem Bahnsteig, frösteln, warten. Drei Züge sind bislang ausgefallen. Und auch die Verbindung um 11.48 Uhr fällt ersatzlos weg. "Nun ist der Anschluss in Duisburg an den Intercity nach Frankfurt endgültig dahin", sagt Mörler. "Wenn ich das geahnt hätte, wäre ich doch mit dem Auto gekommen", ärgert er sich. Aber noch hat er nicht alle Hoffnung auf eine Bahnverbindung aufgegeben, will noch eine Weile warten, bevor er seine Frau in Frankfurt anruft und sie bittet, ihn und die Tochter mit dem Pkw abzuholen. Was angesichts der Strecke etliche Wartestunden bedeuten würde.

Auch Velsamy Sarvakalaivanan wird allmählich unruhig. Der Dattelner arbeitet seit zehn Jahren in Essen, pendelt fast täglich. Bei Zuspätkommern kennt die Firma kein Pardon. Am Telefon wird er vor die Wahl gestellt. Entweder er kommt oder er muss einen Tag Urlaub nehmen.

Gelassener

Carolin Lion geht die Sache entspannter an. Auch sie muss zur Arbeit, doch die beginnt erst um 14 Uhr in Herne. Gelassen liest sie in ihrem Schmöker, die sporadischen Durchsagen über nicht fahrende Züge beunruhigen sie nicht. "Wenn in einer halben Stunde nichts passiert nehme ich halt den Bus", sagt sie. Dafür entscheidet sich auch ein weiterer verhinderter Passagier, der allerdings verärgert ist, eine paar Zugminuten gegen eine fast einstündige Busfahrt tauschen zu müssen.

Glück haben diejenigen, die überhaupt die Wahl haben und ihr Ziel irgendwie erreichen. "Ich habe schon einige Leute mit dem Bus nach Castrop-Süd zur Nordwestbahn geschickt", erklärt Bernhard Haberhausen. Er sitzt am Infoschalter der Bahn, vor sich den PC, der die Zugverbindungen, besser gesagt, die Ausfälle anzeigt. Aber auch der Plan weist nicht immer den aktuellen Stand aus. Da heißt es weiter hoffen und lauschen, ob die nächste Durchsage positiv ist. Immerhin ist in einer guten Stunde eine Bahn aus dem Nebel aufgetaucht und hat ein paar Fahrgäste in Richtung Dortmund mitgenommen.

Alternativen gesucht

Viele haben sich aber augenscheinlich frühzeitig um alternative Beförderungsmöglichkeiten gekümmert, schätzt Haberhausen. So leer wie am Freitag sei es am Castrop-Rauxeler Hauptbahnhof nur selten. Auch der Park-and-Ride-Parkplatz auf der Rückseite des Bahnhofs hat noch viele Stellplätze frei. Was darauf schließen lässt, dass die Autofahrer am Streiktag auf Nummer sicher gegangen und mit dem Wagen bis zur Arbeit gefahren sind. Staumeldungen im Hörfunk bestätigen das.

Selbst die Bäckerei in der Bahnhofshalle spürt die Streikfolgen. Belegte Brötchen und Gebäck bleiben liegen, weil die Kunden ausgeblieben sind. "Als wir gestern Mittag unsere Bestellungen aufgegeben haben, wussten wir von dem Streik noch nichts", bedauert die Verkäuferin Andrea Kravanja, die nun zusehen muss, wie der Salat auf den Brötchen welk wird.

 

/
Carolin Lion hat Zeit und liest noch ein paar Seiten.

Wenn auch der nächste Zug nicht fährt, muss Velsamy Sarvakalaivanan einen Tag Urlaub opfern.

Anzeige
Anzeige