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"Markt muss einfach sein"

CASTROP "Die jammern doch immer gerne mal herum." Markthändler Ralph Ifland hat für Kollegen, die über schlechte Umsätze klagen, kein wirkliches Verständnis. Das Einkaufsverhalten hat sich geändert, ohne Markt aber geht es für viele Menschen nicht.

Natürlich würde auch er gern mehr verdienen, aber so mies sei das Geschäft nun wirklich nicht, meint der Gemüsehändler, der an diesem Morgen seinen Stand auf dem Altstadtmarkt aufgeschlagen hat. Wie seit 19 Jahren. Klar sei es im Augenblick ruhig, "aber das eigentliche Marktgeschäft fängt ja auch erst im März an, wenn es draußen freundlicher wird", so Ifland, während er seinem Stammkunden Andreas Jansen Kartoffeln abwiegt. Der schätzt die Marktatmosphäre. "Das ist manchmal etwas teurer hier, aber wirklich frisch", so Jansen.

Kontaktbörse

Als unverzichtbare Kontaktbörse erlebt auch Helga Rusche aus Obercastrop den Markt. Heute war sie beim Arzt, ist nur schnell auf den Markt gekommen, um den Hunger zu stillen. Backfisch mit Kartoffelsalat steht vor ihr auf dem Stehtisch. "Ist wirklich lecker", nickt sie in Richtung ihres Tellers. "Samstags bin ich eigentlich immer auf dem Markt, um einzukaufen, aber auch, um Leute zu treffen. Markt muss einfach sein", so die gebürtige Berlinerin, die es 1966 der Arbeit wegen hierher verschlagen hat.

Ein paar Meter weiter kassiert Kornelia Schalk vom Ordnungsamt gerade am Stand von Eva und Werner Haatz die täglichen Marktgebühren. "Wir machen das hier in Castrop-Rauxel immer noch an jedem Markttag vor Ort, weil die Händler bei uns doch oft wechseln", erzählt sie. Bis zu 70 Händler stünden in Spitzenzeiten in der Altstadt, gerade der Donnerstag sei dabei eigentlich ein Renner. Weil dann in der Umgebung wenig Konkurrenz da ist.

Auch die Haatz kommen donnerstags mit ihrer klassischen Damenoberbekleidung von Recklinghausen hierher. Seit fast 25 Jahren sind sie im Geschäft, reichlich Markterfahrung. "Gerade älteren Menschen würde etwas fehlen, wenn es die Märkte nicht mehr gäbe", hat Eva Haatz dabei aus Gesprächen herausgehört.

Dritte Generation

Fehlen würde der Markt auch Norbert Prein. Aus anderen Gründen freilich. Denn für ihn ist Markt Tradition. "Meine Großeltern kamen mit Pferd und Wagen hierher", erzählt der Fleischer aus Datteln. Seine Eltern waren mit dem Geschäft hier, "und seit 30 Jahren komme ich nach Castrop". Das Einkaufsverhalten habe sich verändert. "Wenn Mann und Frau arbeiten, kann natürlich keiner von ihnen vormittags auf dem Markt einkaufen", so Prein. Dafür sei am Samstag richtig was los, "dann ist der Markt ein Kommunikationsraum".

Ohne Markt kann sich Rosemarie Borkowski aus Rauxel ihr Leben auch nicht vorstellen. Sie hat den Wochenmarkt durch ihre Eltern vorgelebt bekommen. "Für mich gehört das zum täglichen Leben, ist Standard."

Für Petra Saur, die neben ihr am Stand steht, ist das ganz anders. "Ein Fleischeinkauf auf dem Markt etwa ist für mich Luxus. Das kann ich mir wirklich nicht immer leisten, das ist dann was Tolles für mich", schwärmt die junge Schwerinerin, wendet sich ab und zahlt ihren Einkauf. Na dann: Guten Appetit.Es gibt vier Marktstandorte:

An folgenden Terminen finden die Wochenmärkte im Stadtgebiet Castrop-Rauxels statt (immer von 8 bis 13 Uhr):Castrop: Dienstag, Donnerstag und SamstagIckern: Dienstag und FreitagHabinghorst: Mittwoch und SamstagSchwerin: Mittwoch und Freitag

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