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Schmerzvolle Welt

ICKERN Ein Summen erfüllt den Raum. Mehmet sitzt auf einem Stuhl, sein Rücken ist nackt. Er beugt sich nach vorne und Holger setzt die Nadel an. Tattoos sind immer noch gefragt. "Sterne in allen Variationen sind derzeit besonders beliebt", sagt Holger Glasewald. Ihn haben wir im Tattoo-Studio "Painful world" (Schmerzvolle Welt) in Ickern besucht.

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Volle Konzentration ist beim Tätowieren gefragt. Und starke Nerven beim Kunden.

Sternchen sind derzeit der Renner.

Ohne Schmerzen geht's beim Tätowieren tatsächlich nicht ab. Und wer sich tätowieren lässt, der weiß auch, dass dies eine Entscheidung für's Leben ist. Trotzdem sind Tattoos nach wie vor ein Massenphänomen. Laut einer Studie des Allensbach-Instituts, so erzählt Holger, lassen sich 23 Prozent der 16- bis 29-Jährigen tätowieren. Mehmet gehört zu diesen 23 Prozent.

Die schmerzvolle Welt unter der surrenden Nadel kennt er bereits. Nein, sagt er, Schmerz empfinde er nicht. Vielleicht ist er schon daran gewöhnt. Mit 17 Jahren ließ er sich sein erstes Tattoo stechen, eine Rose. Sehr bald kam ein Drache auf seinem linken Arm hinzu. Auf seiner rechten Schulter folgte ein so genanntes Tribal, ein Stammeszeichen mit religiöser oder soziokultureller Bedeutung. Dies war vor acht Jahren und dauerte vier Stunden.

Angekratzt

Mehmet ist einer von 1000 Tattoo- und Piercing-Kunden, die jährlich das Studio an der Stettiner Straße 24a besuchen. "Das sind auch seit der Hochzeit des Arschgeweihs vor sechs bis sieben Jahren nicht weniger geworden", stellt "Locke", der zweite Tätowierer in der "Painful world" fest. Eher mehr Menschen, meint er, lassen sich heute tätowieren. "Jeder, der einmal angekratzt ist, möchte meistens auch noch etwas Neues haben. Und Erstkunden kommen hinzu", sagt "Locke".

Mehmet ist einer der "Angekratzten." Er möchte gerade wieder etwas Neues. Es ist es für ihn an der Zeit, die linke Schulterseite spiegelverkehrt zur rechten verzieren zu lassen. Holger "zeichnet"zuerst die Konturen. Dann wird das geheimnisvolle Zeichen mit schwarzer Tätowierertinte ausgemalt. Schmerzen lässt sich Mehmet wirklich nicht anmerken. "Eigentlich tut es nur weh, wenn man vorher reinkommt und denkt, dass es nicht weh tun würde", verrät Tätowierer Holger Glasewald.

Seit 15 Jahren besteht das Studio von Holger, "Locke" und seiner Frau Britta. Nach einer Zeit an der Vinckestraße liegt es seit fünf Jahren etwas versteckt an der Stettiner Straße. "Die ruhige Lage ist beabsichtigt, damit wir ruhiger und diskreter arbeiten können, als in der Stadt. Es ist besser, wenn hier einmal in der Stunde die Tür aufgeht, als zehnmal", meint Holger, der eigentlich Kunstgrafikdesign studiert hat.

Sternchen

Dafür, dass auch Erstkunden durch die Tür kommen sorgt derzeit eine bei vielen Jugendlichen bekannte Serie des Fernsehsenders "Demax". Dort läuft sonntags die Serie "Miami Inc.", die sich ganz und gar um ein Tattoo-Studio dreht. "Davon werden Leute motiviert, sich tätowieren zu lassen", hat "Locke" bereits festgestellt. Das Übrige tragen Popstars bei. "Die Motive sind sehr stark von Boygroups und MTV gelenkt. Auf einmal wollen alle chinesische Schriftzeichen haben oder zurzeit eben Sternchen", sagt "Locke".

Minderjährige benötigen natürlich immer die Erlaubnis der Eltern, die persönlich im Studio vorstellig werden müssen. "Gerade für den beruflichen Werdegang kann ein Tattoo hinderlich sein. Das muss sich jeder bewusst machen", erklärt Holger. "Painful World" rechnet pro Stunde ab - jeweils 50 Euro. "Stechen lässt sich sowie eher die arbeitende Bevölkerung. Das merkt man an den Terminvereinbarungen", hat Holger beobachtet.

Blüten

Neben Sternen sind aktuell auch Blüten sehr gefragt. Und anatomisch am Körper verlaufende Tattoos. Nichts davon ist jedoch nach Mehmets Geschmack. Er sitzt immer noch mit nacktem Rücken auf dem Stuhl. "Wenn ich hier fertig bin, dann schaue ich mir das Werk erst einmal an, und dann gehe ich bestimmt mit einem breiten Grinsen nach Hause", freut er sich. Ein Weilchen wird es noch dauern, Holger setzt die Nadel gerade zum nächsten Stich an.

 

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Sternchen sind derzeit der Renner.

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