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War es ein Sturz oder ein Racheakt?

26-Jähriger soll Kleinkind misshandelt haben

Harter Tobak war das, den der Amtsrichter am Freitagmorgen vor Gericht zu hören bekam. Ein 26-Jähriger soll einem Kleinkind mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Aus Rache, sagen Zeugen. Doch der Angeklagte bestreitet die Tat.

Castrop-Rauxel

von Gabi Regener

, 15.06.2018
War es ein Sturz oder ein Racheakt?

Ein 26-Jähriger muss sich vor dem Amtsrichter verantworten. Er soll einem Kleinkind mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.

Der Vorwurf wog schwer: Ein 26-Jähriger soll im März 2017 ein knapp zweijähriges Kind vorsätzlich misshandelt haben. Mit einem Faustschlag ins Gesicht. Er selbst streitet das ab, konnte die Platzwunde unter dem rechten Auge aber beim Prozess am Amtsgericht nicht eindeutig erklären.

Es geschah, als er mit einer Bekannten, bei der er damals wohnen durfte, und deren Kindern, dem damals Zweijährigen und einem Baby, seine Schwester besuchte. Am Auto war das Kind, das er nach oben trug, noch unversehrt, oben vor der Wohnungstür schwer verletzt. „Ich weiß nicht, wie das passiert ist“, sagte der Angeklagte.

Nicht gleich den Arzt gerufen

Das Kind habe plötzlich geschrien. Da habe er die Wunde gesehen und einen Schock bekommen. Die Mutter des Kindes kam kurz darauf mit dem Baby dazu, war erschrocken, aber gefasst. So habe sie die Wunde in der Wohnung gereinigt, das Kind spielen lassen. „Ich wollte abwarten“, sagte sie. Umgehend den Arzt zu konsultieren, schien ihr nicht erforderlich. Schließlich habe sich ihr Kind normal verhalten.

Dagegen belasteten die Aussagen der 27-jährigen Schwester des Angeklagten diesen sehr. „Er hat mir das Kind entgegengehalten und gesagt ,Mach ihn mal sauber‘“, schilderte sie den Empfang. Sie traut ihrem Bruder die Tat zu, vermutet einen Racheakt.

Verfahren gegen den Vater des Kindes

Der Hintergrund: Gegen den Vater des Kindes läuft ein Verfahren. Der wird beschuldigt, den sechsjährigen Sohn des Angeklagten schwer misshandelt zu haben. Das hatte der Angeklagte einige Wochen zuvor erfahren. „Er hat gesagt, das Kind habe das Gleiche verdient wie sein Sohn“, sagte die Schwester im Zeugenstand. Sie habe der Mutter des Kindes auf dem Spielplatz nahegelegt, auf sich und die Kinder aufzupassen.

Am nächsten Morgen holte das Sondereinsatzkommando der Polizei auf ihren Anruf hin den Bruder aus der Wohnung. Das Kleinkind, dessen Auge inzwischen stark geschwollen war, kam in die Kinderklinik. Das rechtsmedizinische Gutachten spricht von stumpfer Gewalteinwirkung. Ursache könne ein Faustschlag gewesen sein, für einen Sturz seien die Symptome eher untypisch, aber nicht ausgeschlossen.

Prozess wird fortgesetzt

Nun will der Richter zwei Bekannte der Schwester anhören, die ihre Warnungen vor dem Bruder mitbekommen haben sollen. Dass die Geschwister zerstritten sind, muss nicht erwähnt werden. Die Mutter lebt mit ihren Kindern inzwischen in einer anderen Stadt.

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