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Was bedeutet für das Stadtoberhaupt Heimat?

Bürgermeister Rajko Kravanja im Interview

Jeder Mensch hat eine Heimat. Oder sogar mehrere. Was bedeutet für einen Bürgermeister im Ruhrgebiet, dessen Familie slowenischen Hintergrund hat, der Begriff Heimat? Im interview hat er es uns verraten.

Castrop-Rauxel

von Thomas Schroeter

, 20.04.2018
Was bedeutet für das Stadtoberhaupt Heimat?

„Wenn ich in den Urlaub nach Slowenien fahre, dann ist das auch nach Hause kommen, auch wenn man das nur schwer erklären kann.“ Wir sprachen mit Rajko Kravanja über den Heimatbegriff, seine persönlichen Heimaten und was für ihn Heimat ausmach © Volker Engel

Was bedeutet der Heimatbegriff für einen Kommunalpolitiker, für einen Bürgermeister in einer Stadt, die außerhalb des Ruhrgebiets als Synonym für den Ruhrpott steht? Für einen Bürgermeister, dessen Familie ursprünglich nicht aus Castrop-Rauxel stammt? Dazu haben wird an Bürgermeister Rajko Kravanja sieben Fragen gestellt.

Als Bürgermeister einer Stadt im Ruhrgebiet: Wie wichtig ist die Identität des Ruhrgebietes, des Ruhrpotts, aus Ihrer Erfahrung für die Menschen hier?

Zwei Dinge haben sich in den letzten Jahrzehnten geändert. Der Blick auf das Ruhrgebiet und – das ist das Entscheidende – der Blick der Menschen, die hier wohnen, auf unsere Region. Auf die Frage nach der eigenen Herkunft lautete die Antwort früher „aus der Nähe von Dortmund oder aus der Nähe von Düsseldorf“. Heute sage ich selbst mit Stolz: „aus dem Ruhrgebiet“. Im Ruhrgebiet verwurzelt zu sein, ist für die Menschen ein immer positiveres Gefühl geworden. In der Metropole Ruhr leben, in Castrop-Rauxel eine Heimat haben – das ist für mich der Kern der Identität.

Hat Heimat in einem solchen Schmelztiegel wie dem Ruhrgebiet überhaupt eine Bedeutung, oder steht hier mehr Multikulti im Fokus?

Ich glaube, dass die Begriffe zusammengehören. Mir und vielen Menschen im Ruhrgebiet ist es doch egal, woher die Menschen kommen. Hauptsache man klönt am Gartenzaun und hilft sich gegenseitig. Genau durch dieses Miteinander überwinden wir das Denken in Nationalitäten. Wir sind Nachbarn oder Vereinskameraden, wir kommen ins Gespräch, wenn unsere Kinder zusammen spielen oder setzen uns gemeinsam für unseren Stadtteil ein. Wir wohnen nicht nur alle im Ruhrgebiet, wir alle sind hier zu Hause.

Was bedeutet der Begriff Heimat oder der Begriff örtliche Identität für einen Kommunalpolitiker?

Der Begriff ist für alle Kommunalpolitiker Antrieb für die eigene Arbeit und gleichzeitig das Ziel: Eine moderne Stadt, in der die Bürgerinnen und Bürger gerne leben, in der sie sich wohlfühlen und zuhause.

Gibt es Probleme mit dem Kirchturmdenken, dem zu eng gefassten örtlichen Identitätsbegriff in der Region?

Immer weniger. In der heutigen vernetzen Gesellschaft denken wir doch nicht mehr so sehr in Stadtgrenzen. Wir leben in der Metropole Ruhr. Für mich gehören das Konzerthaus in Dortmund, der Gysenbergpark in Herne und das Bermudadreieck in Bochum ebenso zum Lebensgefühl dazu, wie „Castrop kocht über“ und die vielen Vereine dieser Stadt.

Was ist für Sie Heimat? Ickern-End, Ickern, Castrop-Rauxel, das Ruhrgebiet, NRW, Deutschland?

Alles zusammen ergibt für mich ein Bild der Heimat. Das Eine wäre ohne das Andere nicht vollständig. Ich bin Ickerner und Castrop-Rauxeler, ich komme aus dem Ruhrgebiet, bin Deutscher und Europäer – alles in einem.

Gibt es Dinge oder Stellen hier in der Stadt, die Sie in besonderer Weise mit Heimat verbinden?

Ja, für mich macht das „Tacheles-Sprechen“, das Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft, dieses besondere Lebensgefühl im Ruhrgebiet Heimat aus.

Ihre Familie hat selbst „Migrationshintergrund“. Prägt das einen möglichen Heimatbegriff für Sie in besonderer Weise?

Wenn ich in den Urlaub nach Slowenien fahre, dann ist das auch nach Hause kommen, auch wenn man das nur schwer erklären kann. Es ist ein gutes Gefühl. Das schafft ein Verständnis dafür, dass andere hier eine Heimat finden können, aber auch ihr ursprüngliches Herkunftsland als Heimat betrachten. Am Ende geht es aber doch darum, dass wir alle Castrop-Rauxeler sind – und das sind wir.

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