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Zum Kummer die Vorstrafe

CASTROP-RAUXEL Der 23. April 2006 hat das Leben der heute 67-Jährigen vollkommen verändert. An jenem Tag saß sie am Steuer eines Kleinbusses. Mit im Wagen sieben Kinder eines Behindertenheimes. Dann kam es zum Unfall.

Zum Kummer die Vorstrafe

Mit diesem Kleinbus verunglückten am 23. April letzten Jahres die Bottroperin und sieben behinderten Kinder.

Die Frau und die Kinder  waren auf dem Rückweg von Winterberg nach Bottrop in das Behindertenheim, das die Frau lange Jahre leitete. Abgelenkt durch ein Kind, kam sie in Castrop-Rauxel auf der Autobahn 2 von der Fahrbahn ab, prallte an die Mittelleitplanke. Das Fahrzeug überschlug sich mehrfach, einige Kinder wurden herausgeschleudert, alle Insassen verletzt. Am schlimmsten traf es ein Mädchen, dem bei diesem Unfall ein Arm abgerissen wurde.

Verständnis

Die Unglücksfahrerin, die in ihrer Arbeit mit den Behinderten aufging, ist seit dem Unfall krank. So krank, dass sie zum Gerichtsprozess im Mai nicht erscheinen konnte.

Amtsrichter Schwarz hat großes Verständnis für die Angeklagte, die auch am vergangenen Freitag dem Gericht fern blieb. Anstelle einer Hauptverhandlung beantragte die Staatsanwaltschaft die Erlassung eines Strafbefehls. Der Richter akzeptierte das und bestimmte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 30 Euro. Auf die Anhörung der Angeklagten bzw. ihr Verteidigers kann in diesem Fall verzichtet werden. Ein schnelles Verfahren, bei dem auch der Nebenkläger, ein Anwalt aus Berlin, der eins der verunglückten Kinder vertritt, nicht das Wort erteilt wurde.

Erst wenn die Angeklagte Einspruch gegen den Strafbefehl einlegt, kommt es doch noch zu einer Hauptverhandlung. Zwei Wochen hat sie Bedenkzeit. Akzeptiert sie den Beschluss, ist sie damit vorbestraft. Lediglich ins Führungszeugnis werden Geldstrafen bis zu 90 Tagessätzen nicht aufgenommen.

Bei Bewerbungen um einen Arbeitsplatz ist das sicher ein entscheidendes Detail, doch für die Angeklagte kaum von Bedeutung. Ihr Kummer wird lebenslänglich anhalten.

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