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Soziale Netzwerke in Dorsten

Das sind die Dorstener Nachbarn in der virtuellen Welt

Dorsten In den Sozialen Internet-Netzwerken haben viele Leute wesentlich mehr Kontakte zu Mitmenschen als in der analogen Welt. Für das virtuelle Zusammengehörigkeitsgefühl sorgen in Dorsten viele Online-Gruppen – mit Tausenden von Mitgliedern. Darum geht es im neuen Teil unserer Heimatserie.

Das sind die Dorstener Nachbarn in der virtuellen Welt

Eine der größten Dorstener Facebook-Gruppen ist „Du weißt, dass du aus Dorsten kommst, wenn...“. Foto: Rademacher

Als im Jahre 2011 im Internet-Netzwerk „Facebook“ auch für Dorsten Stadtteil-Gruppen wie Pilze aus dem Boden schossen, brachten aktuelle und ehemalige Bewohner der Lippestadt damit ihre Verbundenheit zu ihrer Heimat zum Ausdruck. Sie stellten Fotos von ihren alten Schulklassen ins Netz, von historischen Ansichten, erinnerten an längst vergangene Anekdoten: etwa an das Modern-Talking-Konzert im Freibad oder an die Zeiten, als man im Gesundheitsamt zur Schluckimpfung musste und und und.

So viele Mitglieder wie nie zuvor

„Der Zulauf ist auch heute ungebrochen“, sagt Klaus Strube. Der 47-jährige Dorstener hatte vor sieben Jahren auf Facebook die Gruppe„Du weißt, dass Du aus Dorsten kommst, wenn...“ ins Leben gerufen und betreibt sie weiterhin. „Den ganzen Tag schaue ich immer mal wieder, was in der Gruppe passiert“, sagt er über sein Hobby. Mehr als 6500 Mitglieder hat die virtuelle Gemeinschaft inzwischen, so viele wie nie zuvor.

Die Heimat, die Nachbarschaften vor Ort, sind also längst im Internet angekommen, vor allem bei Facebook. „Diese Seiten sind ein bisschen wie ein Marktplatz – man trifft alte Bekannte nach Jahren wieder, tauscht sich aus“, sagt der Psychologe Dr. Christian Lüdke. „Es ist kein Zwang dahinter, aber man hat das Bedürfnis nach Zugehörigkeit in einer Stadt. Das ist das menschliche Grundbedürfnis dazu zu gehören.“

Beliebte Gruppen

Je nach Seite oder Gruppe gibt es die unterschiedlichsten Inhalte, einige mit immensem Zulauf, auch in Dorsten. Da gibt es Tauschbörsen wie den „Dorstener Flohmarkt“ mit seinen gut 6000 Mitgliedern, das Freizeitbad Atlantis präsentiert seine Aktionen mehr als 50.000 Facebook-Fans, die Sportsbar Factory im Creativ-Quartier Fürst Leopold hat 24.750 Likes. Und damit etwas mehr als das vom IT-Unternehmer Marco Rolof (ITNT) betriebene gewerbliche Gemeinschafts-Portal „We love Dorsten“, das seinen rund 23.000 Freunden seit ein paar Jahren ein Sammelsurium an Angeboten präsentiert: Gewinnspiele, Fotostrecken von Partys, Diskussionsaufrufe zu lokalen und überörtlichen Themen oder Polizeimeldungen.

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„Das Kommunikationsverhalten hat sich im Laufe der Jahre geändert“, weiß Klaus Strube von „Du weißt, dass Du aus Dorsten kommst, wenn.“ Denn früher beschäftigten sich die Beiträge fast ausschließlich mit den „guten alten Zeiten“, auch wenn die gerade mal fünf oder zehn Jahre zurücklagen. „Die Leute haben sogar Videos von alten Super-Acht-Aufnahmen hochgeladen“, erinnert sich Strube. „Das war ein echter Hype mit Suchtfaktor. Ich hatte damals das Gefühl, die Mitglieder vergaßen, mit ihren Hunden Gassi zu gehen oder ihre Kinder vom Kindergarten abzuholen, nur um in der Gruppe nichts zu verpassen“, sagt er ironisch.

Auch Raum für Hilfsaktionen

Heute indes tauschen sich die Mitglieder eher über die ganz banalen alltäglichen Dinge des Lebens aus. In den vergangenen Tagen tauchten etwa Fragen auf, wo man in Dorsten noch Schlüssel nachmachen lassen kann, wo man leere Eierkartons herbekommen oder alten Metallschrott abliefern kann. Die Antworten von Mitlesern ließen nicht allzu lange auf sich warten. „Es ist schön zu sehen, dass diese Gruppe im besten Sinne ein soziales Netzwerk geworden ist“, sagt Strube. „Wir haben hier sogar schon einige erfolgreiche Hilfsaktionen für bedürftige Menschen gestartet.“

„Du weißt, dass Du aus Dorsten kommst...“ ist eine geschlossene Gruppe, das heißt: Wer Mitglied werden will, der muss sich vorher anmelden. „Und eine Frage richtig beantworten, die mit Dorsten zu tun“, sagt Klaus Strube. „Damit will ich gewährleisten, dass niemand von außen die Gruppe für seine Zwecke nutzt. Etwa für politische Diskussionen. „Politik soll möglichst außen vor bleiben“, sagt Klaus Strube: „Deswegen werfe ich auch diejenigen aus der Gruppe, die sich nicht an diese Regeln halten.“

In die rechte Ecke gerückt

Diese Marschroute hat vor rund fünf Jahren dafür gesorgt, dass sich ein Teil seiner Facebook-Gruppe abgespalten hat. Marco Bühne hat daraufhin die Facebook-Gruppe „Wir sind Dorsten“ gegründet, sie hat jetzt gut 3000 Mitglieder – ist aber wegen ihrer Inhalte bei manchen umstritten. „Bei uns sind politische Diskussionen zu allem möglich, was den Leuten unter den Nägeln brennt, selbst wenn wir dabei von anderen in die rechte Ecke gerückt werden“, sagt Bühne, der zur Bundestagswahl in seiner Gruppe Werbung für die AfD gemacht hat. Die erfolgreichsten lokalen Themen der vergangenen Monate seien die Zechenbahnbrücke, die Mercaden und die Parkraumbewirtschaftung gewesen, erzählt er: „Heimatverbundenheit heißt für mich auch, solche Diskussionen anzustoßen.“

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Auch für einzelne Dorstener Stadtteile finden sich solche „Du weißt, dass Du aus... kommst“-Facebook-Gruppen: Für Hervest, für Rhade, allerdings tröpfeln die Beiträge dort inzwischen eher, als dass sie fließen: 36 Beiträge gab es in den vergangenen 30 Tagen in Rhade, 76 in Hervest. Besser läuft „Du weißt, dass Du aus Barkenberg kommst, wenn...“ mit seinen mehr als 2000 Mitgliedern. Andy Kremer, Co-Administrator, muss inzwischen aber viel häufiger als früher eingreifen: „Wir schalten inzwischen die Beiträge der Nutzer frei, bevor wir sie veröffentlichen.“ Der Grund: „Es gibt inzwischen zu viele rechtsradikale Inhalte.“

Die Barkenberger Facebook-Gruppe war vor sieben Jahren das erste Stadtteil-Angebot, das in Dorsten gegründet wurde: Auch sie startete vor allem mit Erinnerungen an die damals „Neue Stadt Wulfen“. Und auch hier gilt: Heute sind es die Alltagsprobleme, die im Blickpunkt stehen. „Wie etwa kürzlich die Auseinandersetzungen von Mietern mit dem Wohnungsbauunternehmen Altro Mondo“, so Kremer: „Davon war ich selbst betroffen.“

Als die Online-Enzyklopädie Wikipedia vor 17 Jahren an den Start ging, hat Christian Gruber sie zunächst ganz normal als Lexikon genutzt, so wie alle anderen Menschen auch. „Doch dann habe ich gemerkt, was man mit der freien Software alles machen kann.“ Zum Beispiel kann man ein eigenes Stadtteil-Wiki ins Leben rufen, das inzwischen ein Riesenerfolg geworden ist. „673 Seiten, rund 10.000 Dateien und mehr als drei Millionen Seitenaufrufe seit dem Beginn vor zehn Jahren“, zählt der Wulfener die wichtigsten Daten seines „Wulfen-Wikis“ auf, das über alles Wichtige und Interessante über Barkenberg und Alt-Wulfen informiert.

Gruber hat seine Kamera bei seinen Streifzügen durch Wulfen immer dabei. Neben Rätselfragen, Literaturlisten über den Stadtteil und historischen Beiträgen gibt er so einen Überblick, was tagtäglich passiert: Ein Beitrag über die Abiturentia der Gesamtschule, über die Glasfaser-Firmenpräsentation im Hotel Humbert und eine Ausstellung „100 Jahre Frauenwahlrecht“ und ein täglich aktualisierter Veranstaltungskalender – damit hat Christian Gruber in den vergangenen Tagen sein Wulfen-Wiki mit Leben gefüllt hat. „Ich will die Identifikation mit dem Stadtteil fördern“, sagt er: „Wie auch bei Wikipedia kann bei Wulfen-Wiki jeder, der mag, etwas beitragen.

Nachrichtenblog für Marienviertel

Als „Chronist für den Ortsteil“ bezeichnet sich Johannes Wulf. Der frühere Lehrer hat seit seinem Eintritt in den Ruhestand eine neue Bestimmung gefunden. „Ich arbeite gerne im Internet“, sagt der Dorstener. Sein Lieblings-Steckenpferd ist derzeit die von ihm mit Inhalten gefüllte Seite „Marienviertel.de“, eine Art Nachrichtenblog für dieses Hervester Quartier rund um die Marienkirche. Dort berichtete Wulf zuletzt über die Kirchenfusion, über kulturelle Veranstaltungen und besonders gerne über die Initiative Marienviertel, die derzeit Ideen für diesen Hervester Mikrokosmos entwickelt, um ihn fit für die Zukunft zu machen.

Johannes Wulf ist auch Mitstreiter der Internet-Seite „Dorstalgie.de“. Dort hatte der inzwischen verstorbene Dorstener Ralf Schaper vor gut zwei Jahren damit begonnen, historische Dorstener Fotomotive zu veröffentlichen. Seit seinem Tod stockt das Projekt. „Wir suchen derzeit Sponsoren, die uns die technischen Voraussetzungen finanzieren, damit wir die 500.000 Bilder vernünftig katalogisieren, digitalisieren und in einer Datenbank präsentieren können“, sagt Johannes Wulf. Aber regelmäßig veröffentlicht die Dorstalgie-Gruppe alte Fotoschätzchen als Appetithäppchen. „Die werden dann hundertfach geliked und geteilt“, weiß Johannes Wulf über das große Interesse der Dorstener.

Das sind die Dorstener Nachbarn in der virtuellen Welt

Frank Langenhorst betreibt die Seite „Lembecker.de“

Mehr als 1500 Besucher pro Tag hat Frank Langenhorst zu verzeichnen, der seit 2002 die Internet-Seite „Lembecker.de“ betreibt. Fast 71 Millionen Seitenaufrufe sind es seitdem insgesamt. Der Lembecker sagt, „nicht obwohl, sondern weil“ der Stadtteil im Dorstener Norden so klein ist, habe seine Seite einen so großen Erfolg. „Die Leute hier sind eben sehr heimatverbunden.“ Langenhorst präsentiert auf seiner Seite alles, was mit Lembeck zu tun hat: Neuigkeiten, historische Begebenheiten, die Nutzer können Kommentare ab- und Kleinanzeigen aufgeben, Vereine sich vorstellen.

Die Inhalte von „Lembecker.de“ gibt es seit ein paar Jahren auch bei Facebook. „Anders komme ich an junge Leute nicht heran, die besuchen keine normale Homepage“, sagt Frank Langenhorst, für den die Werberlöse seiner Seiten inzwischen ein „nettes Zubrot“ zu seinem Hauptjob sind.

„Die wollen wissen, was sich im Dorf so tut“

Aber nur auf der Homepage finden die Besucher die alle zehn Sekunden aktualisierte Live-Webcam von der Lembecker Dorfmitte. „Ich weiß von alten Lembeckern, die inzwischen im Ausland leben und sich jeden Tag mindestens einmal die Webcam-Bilder anschauen“, so Langenhorst. „Die wollen wissen, was sich im Dorf so tut.“

Für Menschen, die nicht mehr in der Stadt wohnen, kann so eine Gruppe in sozialen Netzwerken wie die Nabelschnur zur alten Heimat sein, sagt Psychologe Christian Lüdke. „Es ist eine Super-Ergänzung, vereinfacht die Kommunikation, aber ersetzt kein persönliches Gespräch.“ Deswegen hat Klaus Strube in der Vergangenheit immer mal wieder dafür gesorgt, dass sich Mitglieder seiner Gruppe „Du weißt, dass Du aus Dorsten kommtst..“ auch im realen Leben treffen konnten. „Und ich plane gerade einen weiteren Abend, diesmal mit Live-Musik“, verspricht er.

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