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Ungewöhnliche Abstimmung in Dorsten

Das steckt hinter der „Palmen-Wahl“ in Wulfen-Barkenberg

Dorsten Zum ersten Mal stimmen Bürger eines Ortsteils in Dorsten über die Gestaltung von öffentlichem Grün ab. Eine eigentlich gut gemeinte Pflanzaktion war im letzten Jahr Stein des Anstoßes. Hier können Sie jetzt schon abstimmen.

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Andreas Türpe hat nicht nur auf seinem Grundstück, sondern auch auf einer zum Teil öffentlichen Fläche davor Palmen gepflanzt. Erlaubt ist das eigentlich nicht, vielen Menschen gefällt das aber. Im April wird abgestimmt. (Foto: Guido Bludau)

Foto: Bludau

Karikatur Dorsten 10-18 geändert
Der aufblühende Ärger in Wulfen-Barkenberg, wie unser Karikaturist ihn sieht – natürlich etwas übertrieben. Erstmals wird im April in Dorsten über die Grün-Gestaltung öffentlicher Flächen in einem Ortsteil abgestimmt. (Karikatur: Heinrich Schwarze-Blanke)

Ein griechisch anmutendes Haus am Gecksbach mit einem großen Garten und einer hohen Mauer. Dahinter folgt zur Straße hin noch ein kleiner Grünstreifen, auf dem Andreas Türpe Palmen gepflanzt hat. Weil es dort „ungepflegt aussah“, wie er letztes Jahr sagte. Was der Barkenberger nicht ahnte: Seine gut gemeinte Pflanzaktion auf zum Teil öffentlichen Grund hat in seinem Ortsteil eine Diskussion in Gang gesetzt, die im April in eine Bürgerabstimmung gipfelt. So haben wir im letzten Jahr über den Fall berichtet:

Aus unserem Archiv: Stadt bringt Hausbesitzer auf die Palme

Das gab es noch nie in Dorsten: ein formales Verfahren, eine Art Volksentscheid, mit dem geklärt werden soll, ob von Leitlinien abgewichen werden darf, wenn Bürger eine Patenschaft für öffentliche Grünflächen übernehmen und diese pflegeleicht umgestalten möchten. Im Kern geht es darum, ob nur einheimische Pflanzen verwendet werden oder auch andere. Palmen, zum Beispiel. Es geht nicht um das komplette Grünkonzept von Wulfen-Barkenberg.

„Es muss eine einheitliche Regelung geben“

Bürgermeister Tobias Stockhoff, dem die Palmen durchaus gefallen, hat der Wulfen-Konferenz vor wenigen Tagen klargemacht, dass es eine einheitliche Regelung geben muss. „Es kann ja nicht sein, dass es für Palmen eine Ausnahmegenehmigung gibt, weil sie vielen Menschen gefallen, aber für Kakteen nicht, weil sie nicht so schön sind.“

Bevor rund 4000 wahlberechtigte Barkenberger ab 16 Jahren am 13., 15. , 27. oder 29. April im Gemeinschaftshaus Wulfen mit Ja (für eine liberale Auslegung des Konzeptes) oder Nein (für die Beibehaltung der bisherigen Regelung) abstimmen können, ist am 10. April (19 Uhr, Gemeinschaftshaus Wulfen) ein Info-Abend geplant. Dort wird das Gesamtkonzept erläutert, dort werden Andreas Türpe und Rainer Diebschlag Rede und Gegenrede halten. Diebschlag, der den Ortsteil wie seine Westentasche kennt, ahnt: „Wenn wir nur über Geschmack reden, wird es Sieger und Verlierer geben.“ Die Verengung auf diesen Begriff sei eine große Gefahr.

Dorsten Das ZDF zeigt die für 21. Januar geplante Sendung über das Barkenberger Palmenhaus am Gecksbach erst im März. Zahlreiche Dorstener waren am Montag bitter enttäuscht, dass die Sendung nicht, wie angekündigt, am Sonntag ausgestrahlt worden ist.mehr...

Der Wahlkampf beginnt womöglich schon vor dem 10. April, fürchten in der Wulfen-Konferenz auch andere Barkenberger, Verfechter der geltenden Leitlinien. Postwurfsendungen, Info-Stände – alles scheint möglich. „Wir werden von unserer Seite keine Werbung für die eine oder die andere Seite machen“, stellt der Bürgermeister klar. Die Reaktionen nach der Berichterstattung der Dorstener Zeitung im vergangenen Jahr zeigen, dass es offenbar viele Palmen-Freunde in Barkenberg gibt. Die Gegner agierten bislang eher im Stillen. Klar ist: Sollte die Mehrheit der Barkenberger im April mit „Nein“ stimmen, müssen Türpes Palmen, die auf öffentlicher Fläche stehen, weg.

Eine Frage wird aber auch durch eine Abstimmung nicht beantwortet werden. Wer kontrolliert eigentlich, dass die geltenden Regeln künftig eingehalten werden?

Umfrage

Die "Palmen-Wahl" in Wulfen-Barkenberg

Darf von den bisherigen Regelungen abgewichen werden, wenn Bürger in Wulfen-Barkenberg Patenschaften für öffentliche Grünflächen übernehmen?
377 abgegebene Stimmen

Pro: Mit seinem „Palmenhaus“ am Gecksbach hat Andreas Türpe letztes Jahr die Diskussion ums Barkenberger Grünkonzept entfacht. „Wer sich um öffentliches Grün kümmert, sollte auch freie Hand bekommen, was er macht“, sagt er. In seinem Fall geht es tatsächlich nur um einige Zentimeter vor der Grundstücksmauer. Viele Barkenberger hegen offenbar Sympathie für Türpe.

Contra: Rainer Diebschlag kennt Barkenberg aus dem Effeff. Der frühere Gesamtschullehrer hat 100 Stadtteilspaziergänge organisiert. Er plädiert dafür, die bestehenden Regeln einzuhalten. „Es geht nicht ums Aussehen, denn darüber lässt sich nicht streiten“, sagt er, „sondern um den ökologischen Nutzen für die Tierwelt. Der ist bei heimischen Gehölzen gegeben, bei Palmen nicht.“

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Andreas Türpe hat nicht nur auf seinem Grundstück, sondern auch auf einer zum Teil öffentlichen Fläche davor Palmen gepflanzt. Erlaubt ist das eigentlich nicht, vielen Menschen gefällt das aber. Im April wird abgestimmt. (Foto: Guido Bludau)

Foto: Bludau

Karikatur Dorsten 10-18 geändert
Der aufblühende Ärger in Wulfen-Barkenberg, wie unser Karikaturist ihn sieht – natürlich etwas übertrieben. Erstmals wird im April in Dorsten über die Grün-Gestaltung öffentlicher Flächen in einem Ortsteil abgestimmt. (Karikatur: Heinrich Schwarze-Blanke)

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