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Grüße vom Gemüsemonster

Dorsten Gaaanz langsam befreit Emily die Möhre von ihrer rauen Haut, mit dem Schälgerät klappt das ganz gut. Die feinen Streifen legt sie sorgfältig in die Plastikschüssel für Biomüll. Emily hört nicht auf, feine Streifen zu schälen. Auch als die Karotte schon saftig-orange glänzt, schrabbt sie konzentriert weiter. Doch jetzt landen die Streifen nicht mehr im Müll, sondern in Emilys Mund.

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Emily ist acht Jahre alt und Gast auf Jonas' Geburtstagsparty. Dass sie und die anderen zehn Kinder bei der Vorbereitung für's Abendessen selbst Hand anlegen, ist durchaus erwünscht: Schließlich feiert die Truppe eine Koch-Party im Haus der Familie. Um die Meute unter Kontrolle zu halten, sind Dagmar Lauf, Ökotrophologin, und Jonas' Mutter Gabriele Becker mit von der Partie.

Mittlerweile ist Emily bei den Zwiebeln angekommen. Heute steht nämlich unter anderem ein Nudelauflauf mit Hackfleisch auf der Speisekarte. Die Grundschülerin ist von der neuen Aufgabe nicht überzeugt: "Vom Zwiebelschneiden muss ich heulen." "Sei nicht so ein Weichei,", ruft ein Klassenkamerad, der gerade mit der Fertigung von giftgrünem Wackelpeter beschäftigt ist. Emily lässt sich nicht schrecken und macht sich tapfer an die Zwiebel - Tränen fließen dann tatsächlich, aber das lässt sich eben kaum vermeiden.

"Wir wollen, dass die Kinder alles selbst machen. Dazu gehören dann eben auch weniger schöne Aufgaben, wie Zwiebeln zu schneiden oder Geschirrspülen." Dagmar Lauf, selbst Mutter von zwei Kindern, legt Wert darauf, dass bei ihren Kochkursen viele frische Zutaten verarbeitet werden. Gesund soll das Essen sein, "aber der Spaß steht schon an erster Stelle", erzählt Lauf.

Spaß hat Bernd tatsächlich. Er bastelt gerade konzentriert an seinem "Gemüsefreund" (kl. Foto), das "Gemüsemonster" gibt es schon, drei Jungs aus seiner Klasse haben es ins Leben gerufen. "Soll ich lieber Gurken oder Möhren als Augen nehmen?" Bernd rätselt. Einen großen Gurken-Mund, Möhren-Zähne, Ohren und Haare aus Paprika hat der Gemüsefreund schon. Schließlich entscheidet sich Bernd für die Gurke, kleine Möhrenstücken dienen als Pupille. "Zu Hause gibt es auch ganz oft Salat und so", sagt Bernd. Sein Lieblingsessen? "Gemüse." So viel Vernunft traut man einem Achtjährigen gar nicht zu. Was ist denn mit Pizza? "Ja, Pizza mag ich auch gerne."

Über Kinder wie Bernd freut sich Kursleiterin Lauf natürlich sehr. Sie weiß aber, dass in vielen Familien Fertigprodukte, Fastfood und viele Süßigkeiten auf der Speisekarte stehen. Fehlt dann die nötige Bewegung, werden schon die ganz Kleinen häufig zu dick. "Ich hoffe, dass die Kinder aus dem Kochkurs etwas mitnehmen und Spaß an frischen, gesunden Sachen bekommen", erzählt Dagmar Lauf. Gabriele Becker, die Mutter von Geburtstagskind Jonas, kämpft derweil mit ihren Nerven. Lara will partout nicht einsehen, dass sie nicht mit allen Fingern eine hochkant stehende Möhre umklammern kann, um sie dann von oben mit dem Gemüsemesser zu teilen. "Lara, du willst doch noch Tennis spielen", greift Betreuerin Becker ein. "Aber ich spiele doch mit der rechten Hand, das hier ist die linke", kontert Lara.

Anschließend, beim gemeinsamen Essen, sind alle Schwierigkeiten vergessen und alle Finger noch dran. Auf dem Tisch stehen Rohkost-Teller, Nudelauflauf, Pizza-Toast, Wackelpeter und Kinderbowle. Nur eine Sache trübt die kulinarische Idylle: Der Blick auf das Chaos in der Küche - und den riesigen Berg an schmutzigem Geschirr. ah

Mehr Infos zu den Kursen bei der fbs unter Tel. (02362) 6 13 38.

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