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Hallo, Nachbar!

Hervest Nierentisch, Wiederaufbau, Fußballwunder und Ludwig Erhard mit der Zigarre. Es war das Jahrzehnt des Wirtschaftsaufschwungs. Kohle war der Energieträger und die Zeche Fürst Leopold baute für ihre Arbeiter eine neue Siedlung.

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Die alten Nissenhütten aus der Umschwungzeit wurden abgerissen, und wer bereit war, sich mit knapp 40 000 Deutschen Mark zu verschulden, konnte als Zechenarbeiter eine Hälfte mit 68 qm im Erdgeschoss und 48 qm im Dachgeschoß erwerben. Eine Sonderausstattung gab es nicht, die Fliesen waren gelb, die Badewanne weiß, mehr nicht. Im August 1957 konnten fast 400 Menschen in über 50 Doppelhaushälften zwischen Marxstraße- und Sadeckistraße bzw. Wasserstraße und Glück-Auf-Straße einziehen.

Kinder ohne Ende

Aus heutiger Sicht unvorstellbar lebten in mancher Doppelhaushälte mehr als zehn Personen und es gab Kinder ohne Ende. Anfang der 60er spielten rund 150 Kinder und sie spielten natürlich auf der Straße, denn Garagen waren nicht vorgesehen, dafür gab es einen Stall für Hühner und Schweine. Auch im Garten war Spielen nicht erlaubt, denn es war ein reiner Nutzgarten, zwischen 400 und 900 qm groß auf Erbpacht. Und jedes Jahr im August ging es los: 30 Gläser Bohnen, 25 Gläser Erbsen, 40 Gläser Apfelmus, drei Zentner Kartoffeln, jede Menge Grünkohl - eine Hausfrau übertrumpfte die andere. Und nach getaner Arbeit traf man sich auf dem Treppenstein, ein unübertroffenes Kommunikationszentrum.

Viel verändert

Seit nunmehr 50 Jahren leben in dieser Siedlung Menschen miteinander, die einen großen Teil ihres Lebens gemeinsam miteinander verbracht haben. Zwar hat sich einiges geändert und das ursprünglich gemeinsame Band - der Arbeitsplatz an der Zeche - ist nicht mehr gegeben. Familien sind weggezogen, neue dazu gekommen, manch Pionier der ersten Zeit ist auch verstorben und Umbauten haben die Häuser verändert. Die Zahl der Kinder ist auf unter zehn geschrumpft, Doppelgaragen sind errichtet und der Garten ist als Ziergarten angelegt.

Dennoch hat sich die Siedlung ihren eigenen Charakter erhalten. Nachbarschaft ist nach wie vor kein Fremdwort und feiern konnte man schon immer am besten gemein- sam. Ulrike Hölting

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