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LANUV bestätigt Wolfsangriff auf Schafherde

Wolf reißt sechs Schafe in Schermbeck

Sechs Schafe des Brichter Hobbyzüchters Benedikt Hüttemann sind im April in Folge eines Angriffs verendet. Jetzt bestätigt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz: Es war ein Wolf.

Schermbeck

von Berthold Fehmer

, 13.06.2018
LANUV bestätigt Wolfsangriff auf Schafherde

Ein Wolf hat im April die Schafherde von Hobbyzüchter Benedikt Hüttemann angegriffen. Foto: LANUV

Dass etwas nicht mit seinen Schafen stimmte, merkte Benedikt Hüttemann am 13. April: „Die waren ständig am bölken.“ Drei tote Tiere lagen in der Wiese, eines war verschwunden. Was Hüttemann da noch nicht wusste: Zwei weitere Schafe hatten Bissspuren, sodass sie drei Tage später eingeschläfert werden mussten.

Hüttemann meldete den Vorfall. Da die anderen Wolfsberater des Kreises Wesel verhindert waren, kümmerte sich Georg Franken aus Alpen einen Tag später darum. Er nahm Proben von den Bissstellen an den Kehlen. Das Senckenberg Forschungsinstitut bestätigte laut LANUV-Sprecher Wilhelm Deitermann, dass der Speichel von einem Wolf stammt. Weitere Untersuchungen sollen Herkunft, Alter und Geschlecht des Tieres herausfinden.

Franken geht von einem durchziehenden Einzelwolf aus. „Die Jungen verlassen das Rudel und suchen ein eigenes Territorium.“ Dass so viele Schafe in Bricht angefallen wurden, komme vor, sagt Franken. „Da kommen Jagd- und Spieltrieb zusammen. Wenn der Wolf in Rage gerät, reißt er mehrere Tiere und nicht nur das, was er zum Fressen benötigt.“ Ein bestätigtes Territorium von Wolfsrudeln oder -paaren gebe es in NRW nicht, so Franken. Anders in Niedersachsen, wo es insgesamt schon 15 seien.

„Wut im Bauch“

Für Hüttemann, der Nolana-Schafe züchtet und 25 Mutterschafe sowie rund 40 Lämmer besitzt, war es der erste Angriff. „Man hat schon die Wut im Bauch, wenn man die Kadaver auf einer Schubkarre zusammenfährt“, gibt er zu. „Es hätte ja auch ein Hund sein können.“ Später habe er sich beruhigt. „Wenn das einmalig passiert, kann ich damit leben.“ Da es ein Wolf war, erhält er Entschädigung über die Förderrichtlinien Wolf des Umweltministeriums. Hüttemann: „Ich bin nicht grundsätzlich gegen den Wolf. Aber wir müssen einen Weg finden, vernünftig damit umzugehen.“

Könnte Hüttemann seine Schafe schützen? Franken sagt, die Herde sei vorschriftsmäßig eingezäunt gewesen. „Man könnte höher einzäunen oder ein stärkeres Stromgerät nehmen, aber das muss jeder Schäfer selber wissen.“ In „Wolfsgebieten“ gebe es vorgeschriebene Präventionsmaßnahmen, die Schäfer nachweisen müssen, um eine Entschädigung zu erhalten, aber das sei in NRW nicht der Fall. Ein Herdenschutzhund verjage in der Regel Wölfe mit seinem Bellen. „Es gibt aber auch Exemplare, die es durchaus mit einem Wolf aufnehmen können.“

Die Kosten für einen solchen Hund beziffert Hüttemann auf 2000 Euro. „Ich bin Hobbyschäfer, das kommt für mich gar nicht in Frage.“ Er könne auch nicht den Tag mit dem Hund verbringen, wodurch dieser vielleicht übergriffig gegenüber Menschen werde. Ein höherer Zaun hieße für Hüttemann, „den Wolf zum Nachbarn zu schicken“. Im Stall einsperren will er die Schafe auch nicht: „Das sind Tiere, die auf die Wiese gehören.“

Kritik

Kritik äußert Hüttemann an der Länge des Testverfahrens. Und an der Informationspolitik des LANUV. Denn anders, als ihm zugesagt worden sei, habe das Landesamt den Angriff zunächst nicht öffentlich gemacht. Und auch, nachdem Hüttemann das Ergebnis der Untersuchungen am 30. Mai erfahren habe, sei keine Veröffentlichung erfolgt – erst nachdem Hüttemann sich vor wenigen Tagen erneut ans LANUV gewandt hatte. Selbst die Öffentlichkeit informieren wollte Hüttemann nicht: „Ich will keine Hysterie oder Panik schüren.“


Beim LANUV können Hinweise auf Wölfe unter Tel. (02361) 3050 gemeldet werden. Außerhalb der Geschäftszeiten und am Wochenende: Tel. (0201) 714488.

www.lanuv.nrw.de/natur/artenschutz/der_wolf_in_nrw/