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Mondnacht und schlechte Träume

Dorsten Was haben Joseph von Eichendorff und Günter Eich gemeinsam? Nicht nur die ersten vier Buchstaben ihres Nachnamens - davon wussten Bertold Hanck und Günter Vonhoff am Sonntag Nachmittag im voll besetzten Alten Rathaus die lauschenden Ohren zu überzeugen.

Ein Doppel-Jubiläum - der 150. Todestag von Eichendorff und der 100. Geburtstag Eichs - war der Anlass für die Lesung "Romantik trifft Moderne", bei der die in Dorsten bestens bekannten Rezitatoren, Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Bekanntes und Unbekanntes, Altertümliches und Modernes aus den Werken der beiden deutschen Dichter herausarbeiteten.

In einer Montage zweier populärer Texte ließen sie die beiden Literaten gleich zu Beginn aufeinander los: "Wem Gott will rechte Gunst erweisen", intonierte Vonhoff munter das bekannte, vertonte Eichendorff-Gedicht, während Hanck eindringlich mit Eich mahnte: "Wacht auf, denn eure Träume sind schlecht!"

Romantik

Eichendorff, als "Romantiker" im kollektiven Gedächtnis verankert, lässt in volkstümlicher Leichtigkeit seine Bächlein von den Bergen springen und die Lerchen singen, während Eich - als bedeutender Naturlyriker der deutschen Nachkriegsliteratur und Hörspieldichter gefeiert - dem bedingungslosen Gottvertrauen sein Misstrauen gegenüber der Ordnung der Welt entgegensetzt: "Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt."

Von der Sehnsucht nach Freiheit, Ferne und der wilden Natur getrieben, ließ Eichendorff seine von großer Musikalität geprägten Worte aus seiner Feder fließen.

Wohlgefällige Publikum-Seufzer entlockten populären Werke, wie "Das zerbrochene Ringlein", "Schläft ein Lied in allen Dingen" oder die wunderbar klingende "Mondnacht" - ein Lieblingsgedicht Vonhoffs, das er als Jüngling schon 1948 mit brennender Emphase öffentlich vorgetragen hatte.

Fragwürdige Realität

Im zweiten Lesungs-Teil, kam Eich zu Wort, der sich trotz seiner spröden Eigenart durchaus auch auf romantische Vorbilder bezieht. Ob "Botschaften des Regens", "Inventur" "Hausgenossen oder die "Gesammelte Maulwurf-Prosa" - in allen Werken konfrontiert Eich die Traumwelt mit der fragwürdig gewordenen Wirklichkeit.

"Ich bekenne mich zu einer Dichtung, die Gegnerschaft ist", zitierte Bertold Hanck aus Eichs Rede zur Verleihung des Büchner-Preises (1959).

"Heute akzeptiere ich die Natur nicht mehr", segelte der Dichter an den Mondlandschaften der Erinnerung vorbei. sing

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