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Untreue-Prozess

Nottenkämper-Seniorchef bestreitet Mitwisserschaft

Schermbeck Im Untreue- und Umwelt-Prozess hat der Seniorchef der Firma Nottenkämper am Montag im Zeugenstand alle Vorwürfe der Mitwisserschaft zurückgewiesen – sehr zum Ärger des Angeklagten.

Nottenkämper-Seniorchef bestreitet Mitwisserschaft

In Handschellen wurde der ehemalige Prokurist der Firma Nottenkämper beim Prozessauftakt Ende Februar in den Gerichtssaal geführt. Foto: Foto: Jörn Hartwich

Der 75-jährige Unternehmer war mit zwei Wanderstöcken in den Gerichtssaal gekommen – äußere Zeichen seiner offenbar angeschlagenen Gesundheit. Inhaltlich war er dagegen hoch konzentriert und bestens vorbereitet.

Im Kern ging es nur um eine Frage: Hat der Seniorchef gewusst, dass der Angeklagte, der Ex-Prokurist der Firma Nottenkämper, bei der Entsorgung von rund 180.000 Tonnen Eisensilikatsand in der Tongrube eine Million Euro abgezweigt hat? Wäre das der Fall, könnte rechtlich wahrscheinlich nicht mehr von einer Untreue die Rede sein.

„Hätte den Vertrag nicht unterschrieben“

Die Frage hat der 75-Jährige jedoch eindeutig mit „Nein“ beantwortet. Wörtlich sagte er den Richtern am Bochumer Landgericht: „Hätte ich das gewusst, hätte ich den Vertrag nicht unterschrieben.“ Der Angeklagte sei von ihm schließlich zum Prokuristen ernannt worden. „Damit hatte er im Namen unserer Firma zu handeln und nicht in seinem.“

Der 55-jährige Angeklagte behauptet dagegen, dass der Seniorchef genau gewusst habe, dass er 5,50 Euro pro Tonne abgezweigt hat, um alte Schulden zu bezahlen, die mit einem früheren Strafverfahren zusammenhängen. Die Besprechung habe unter vier Augen in einem Bürocontainer stattgefunden. „Ich eröffnete ihm, dass ich eine Wiedergutmachung leisten muss“, hieß es einer Erklärung, die am Montag von seinem Verteidiger verlesen wurde. Der Seniorchef sei trotzdem einverstanden gewesen, weil das Geschäft so groß gewesen sei.

Schriftliche Versicherung

An die Unterhaltung will sich der Angeklagte auch deshalb so genau erinnern, weil der 75-Jährige damals von einer ärztlichen Untersuchung gekommen sei. Doch genau da könnte er sich möglicherweise vertan haben. Laut schriftlicher Versicherung eines Arztes hat die Untersuchung nämlich erst viel später stattgefunden. Außerdem gibt es eine Quittung über ein Geschäftsessen mit zwei anderen Personen. „Das Gespräch im Container hat es so nie gegeben“, sagte der Seniorchef den Richtern.

Neben der Untreue wird Angeklagten außerdem die illegale Entsorgung von Ölpellets in der Tongrube vorgeworfen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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