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Peter wurde kein Jahr alt

Wulfen In den Norden Dorstens führte am Donnerstag die 3. Stolpersteine-Aktion gegen das Vergessen ermordeter jüdischer Mitbürger. Und plötzlich war sie wieder wach - die Erinnerung an die Familie Lebenstein.

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"Ja, ja, den Günter habe ich gut gekannt, mit dem habe ich als Kind oft gespielt", reckt eine Wulfenerin den Hals, um einen Blick auf die Messingplatte zu erhaschen, die Gunter Demnig in das Pflaster des St. Matthäus-Kirchplatzes einpasst.

Insgesamt fünf Steine verlegt der Kölner Künstler vor der Matthäus-Kirche, denn dort haben sie gelebt: Josef, Paula, Herta und Günter Lebenstein. Doch wer war Peter Münzer?

"Der Sohn von Herta", fanden Gesamtschüler aus Wulfen (Klasse 10.5) heraus, die sich als Stolperstein-Paten in die Recherche über die ehemalige jüdische Wulfener Familie gestürzt hatten. Herta Lebenstein war nach der Reichspogromnacht 1938 mit ihrer Familie in die Niederlande emigriert. In Amsterdam heiratete sie Werner Münzer. Doch die deutsche Gewaltherrschaft erreichte sie auch dort: Am 9. Juli 1943 wurde die Familie Lebenstein in das Lager Westerbork nach Nordholland gebracht. In der Baracke Nr. 62 gebar Herta dort am 3. Dezember 1943 ihren Sohn, Peter. Er zählte erst zehn Monate, als er am 8. Oktober 1944 im Vernichtungslager Auschwitz mit seiner Mutter Herta (21) ins Gas geschickt wurde. Josef Lebenstein (58) und seine Frau Paula (51) wurden wenige Tage später, am 30. Oktober 1944, in Auschwitz ermordet. Auch Günters Leben wurde im Alter von 16 Jahren in Auschwitz ausgelöscht. Das Datum ist nicht bekannt.

Die Familie Lebenstein, die seit 1894 ihr Häuschen direkt am Kirchplatz bewohnte, war in Wulfen gut angesehen: Als Mitglied im Schützenverein und Schriftführer in der Feuerwehr war Josef Lebenstein fest integriert. Die Kinder Herta und Günter besuchten die St. Matthäus-Volksschule.

Kostbare Demokratie

"Mit meinen Eltern bin ich damals oft in Wulfen bei der Familie Moses gewesen", erinnerte sich Rolf Abrahamson (82), lange Jahre Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Recklinghausen. Der 82-jährige KZ-Überlebende war extra aus Marl angereist, um an der Stolperstein-Verlegung teilnehmen zu können.

"Ich wünsche mir, dass Sie alle hier vielen Menschen von dieser schrecklichen Zeit erzählen", appellierte Abrahamson an die Teilnehmer. So lerne man ein kostbares Gut zu schätzen: die freiheitliche Demokratie. sing

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