Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige

Schauspiel im Schutt

Wulfen Am Tag danach ist Chris Schleicher ein wenig enttäuscht. Da macht er mit seinen Kollegen Überstunden bis zum späten Abend, und kaum einer in Wulfen-Barkenberg nimmt Notiz davon.

Anzeige

"Ich hatte mit mehr Schaulustigen gerechnet", gibt der Bauleiter zu. Doch als sich der Abbruchbagger am Donnerstagabend im Scheinwerferlicht erstmals in das letzte Gebäude an der Dimker Allee frisst, das komplett abgerissen werden soll, sehen gerade mal ein gutes Dutzend Zaungäste zu.

Mit einer Sondergenehmigung, die gestern bis kommenden Mittwoch verlängert wurde, wird das Mehrfamilienhaus in unmittelbarer Nachbarschaft zum Handwerkshof täglich von 19 bis 22 Uhr platt gemacht. "Damit Geschäftsleute und Kunden nicht durch Bruchstücke gefährdet sind", erklärt Schleicher. Aber die vermeintliche Rücksichtnahme findet nicht nur Zustimmung. "Abbruch stop" steht mehrfach in roten Lettern auf der Wand, vor der die Baggerschaufel am Abend zuvor Halt gemacht hatte. Nicht der einzige stille Protest offenbar. Eine Web-Kamera, mit der das Geschehen an der Dimker Allee seit einigen Wochen für die (Welt-)Öffentlichkeit festgehalten werden sollte, ist zum zweiten Mal gestohlen worden. "Jetzt reicht?s", war Volker Deutsch vom städtischen Planungsamt gestern sauer, "noch eine Kamera stellen wir nicht auf."

Viel Neues gäbe es bald ohnehin nicht mehr zu sehen. Bis Ende nächster Woche sollen die Abbrucharbeiten erledigt sein, anschließend bleiben noch sechs Wochen Zeit, um das Gelände zu räumen und Rasen einzusäen. Sonst drohen Vertragsstrafen, die Rede ist von 2000 Euro täglich. Klar, dass sich Schleicher und seine Männer ins Zeug legen. Mehr als ein halbes Dutzend Bagger räumte am Freitag Schutt, Holz und Stahl weg.

Dagegen wird wohl niemand etwas einzuwenden haben. Stefan Diebäcker

Anzeige
Anzeige