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Singen aus Liebe zur Heimat

Dorsten Interessiert blätterte Ute Bojert in den beiden Ringbüchern, die ihr bei der Auflösung des schwiegerelterlichen Haushaltes in die Hände gefallen waren: Als sie die Buchdeckel öffnete, erwachte die Chronik des fast vergessenen Dorstener Ostlandchores, fein säuberlich von 1960 bis 1967 geführt.

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Paul und Hildegart Bojert stammten aus Pommern und waren Mitglieder im damaligen Ostlandchor. Ob sie selbst die frisch entdeckte Chronik geschrieben haben? "Keine Ahnung", zuckt Schwiegertochter Ute Bojert mit den Schultern. "Mein Mann und ich haben keinen Bezug zu dieser Chronik." Aber einfach in die Tonne wollten sie die mit Sorgfalt zusammengestellten Schriftstücke auch nicht werfen. "Wir könnten uns vorstellen, dass sie für Leute, die früher im Chor mitgewirkt haben, interessant sein könnte", mutmaßte das Dorstener Ehepaar und brachte die Ringbücher erst einmal in die Redaktion der Dorstener Zeitung.

1948 fing es an

Aufzeichnungen über Termine, Zeitungsausschnitte über Veranstaltungen, Fotos von Proben, Auftritten, Ausflügen und Feiern - lückenlos hat der Chronist in den ersten sieben Sechziger Jahren alles rund um den Ostlandchor zusammengestellt. Im Vorwort lässt er die Geschichte des Ostlandchores Revue passieren:

"1948 fanden sich regelmäßig einige vertriebene Damen und Herren in der Gaststätte Nattler-Wieschenberg, um ihre Heimatlieder zu singen. Diese Singgemeinschaft stand unter der Leitung des Organisten von St. Marien, Herrn Franz Tautz. Trafen sich die Mitglieder zunächst nur aus Freude am Gesang, so trat 1955 eine Wendung ein. Aus der Singgemeinschaft wurde der Ostlandchor Dorsten. Der Orgelbauer Herr Gottfried Gabriel übernahm den Chor als Dirigent und die Chorarbeit wurde intensiver durchgeführt."

Mit einem Weihnachtssingen trat der Ostlandchor in der Aula des Gymnasium Petrinum zum ersten Mal an die Öffentlichkeit. "Der Abend ließ so recht erkennen, was Liebe zur Heimat und Begeisterung für die edle Frau Musika zu schaffen vermag", lobte damals der Lokalredakteur in seinem Zeitungsartikel.

Unter der Leitung von Erich Schilg, der einige Jahre dem evangelischen Kirchenchor Hervest-Dorsten vorgestanden hatte, wurde fleißig geprobt und gesungen: "Mich brennt´s in meinen Reiseschuhn", "Heimweh", "O Täler weit, o Höhen" - mit ihrem Repertoire lockerte der Ostlandchor manche lokale Veranstaltung auf, sang aber auch auf auswärtigen Gastspielen auf.

Das von den Schlesiern in Dorf Hervest traditionell am 25. Juni abgebrannte Johannisfeuer gehörte ebenso zum festen Veranstaltungsreigen des Chores wie die Feier des Tages der Heimat (11. September) und die Weihnachtsfeier für die alten, allein stehenden Vertriebenen im St. Anna-Stift, die vom Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen, Dr. Hans Kühnel, zusätzlich ein Weihnachtspäckchen erhielten.

Bilder von Karnevalsfeiern und Ausflügen belegen, dass auch das gesellige Leben im Ostlandchor nicht zu kurz kam. "Dreiundzwanzigmal ist der Ostlandchor 1963 öffentlich in Erscheinung getreten", verkündete der Vorstand stolz auf der Generalversammlung, bedauerte allerdings, dass sich kaum junge Leute als Nachwuchssänger zur Verfügung stellten. Der Vorschlag, man solle den Chor in "Ost-West-Chor" umbenennen, damit auch Einheimische gewonnen werden könnten, wurde abgelehnt.

Abruptes Ende

1967 endet die Chronik abrupt. Wie die Geschichte des Ostlandchores nach 1967 weitergeht? "Ich konnte im Archiv dazu nichts finden, erklärte Christa Setzer, Leiterin des Stadtarchivs. Sie freut sich allerdings, den unerwarteten Nachlass aus dem Hause Bojert für die interessierte Nachwelt im Dorstener Archiv aufbewahren zu dürfen. Denn dort gehört er hin. sing

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