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Neubaugebiete in Dorsten

So lenkt die Stadt den Bau neuer Siedlungen

Einen Kinderboom gibt es in Dorsten nicht. Trotzdem muss die Stadt wegen Neubaugebieten so planen, dass es genügend Kindergarten- und Schulplätze gibt. Wir erklären, wie die Stadt das macht.

So lenkt die Stadt den Bau neuer Siedlungen

Dieses Neubaugebiet an der Turnhalle der ehemaligen Josefschule in Hervest ist eines von dreien im Stadtteil. In Hervest werden zurzeit Kindergärten erweitert, um die Nachfrage nach U3-Plätzen zu decken. Foto: Hans Blossey

Eltern in Dorsten meinen, einen „Kinderboom“ festgestellt zu haben, weil in einigen Grundschulen (Holsterhausen, Hervest, Hardt) die Klassenzimmer voll und in einigen Stadtteilen Kindergartenplätze für unter dreijährige Kinder rar und Wartelisten lang sind.

„Von einem Kinderboom kann man nicht sprechen. Zwar gibt es nach Jahren rückläufiger Geburtenzahlen eine leicht steigende Tendenz bei den Kinderzahlen. Aber seit 2008 liegt die Jahrgangsbreite bei 600 Kindern“, sagten Bürgermeister Tobias Stockhoff und 1. Beigeordneter Lars Ehm in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Verwaltung legt mithilfe von statistischem Zahlenmaterial Kindergartenbedarfs- und Schulentwicklungsplan fest. Beide Pläne sind so etwas wie Prognosen für die nächsten fünf Jahre und verraten der Verwaltung und Politik, wo sie nachbessern müssen. Dabei werden die Neubaugebiete und die damit verbundenen Zuzüge einbezogen. Geht das, ohne böse Überraschungen zu erleben? Dazu unsere Fragen und die Antworten der beiden strategischen Köpfe im Rathaus.

Der Umgang mit statistischem Zahlenmaterial ist nicht einfach. Wie bringt man die Geburtenzahlen in Übereinstimmung, die einerseits vom Statistischen Landesamt kommen, andererseits vom Dorstener Krankenhaus?

Es gibt viele Dorstenerinnen, die ihr Kind nicht im Dorstener Krankenhaus bekommen. Die Geburtenzahlen im Dorstener Krankenhaus liegen recht deutlich unter den Geburten von Dorstener Kindern insgesamt, da es Mütter gibt, die ein Krankenhaus außerhalb von Dorsten wählen. Bei den unter Einjährigen zeigt sich, dass die Geburtenzahlen im Krankenhaus fast zu 40 Prozent von den Kindern in diesem Alter, die in Dorsten leben, abweichen. Feststellbar ist aber, dass es einen sukzessiven Rückgang der Geburtenzahlen, wie prognostiziert, nicht gibt. Die Zahlen pro Jahrgang haben sich aber auf etwa 600 Kinder eingependelt – die Tendenz ist minimal steigend und bewegt sich zwischen 600 und 650 Kindern pro Jahrgang.

Welche Auswirkungen hat das auf die Planung für Kindergarten- und Schulplätze? Und welche Altersgruppen werden in der Planung berücksichtigt?

Die Einjährigen, die Dreijährigen, die Sechsjährigen und dann die Zehnjährigen spielen in dem Zahlenwerk eine tragende Rolle, danach noch die 16-Jährigen, die nach Klasse 10 die Schulen verlassen, und die 19-Jährigen, die Abitur oder Fachabitur machen. Die Einjährigen werden berücksichtigt, weil sie ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen U3-Betreuungsplatz haben.

Der Anteil der unter dreijährigen Kita-Besucher liegt, je nach Stadtteil, zwischen 20 und 40 Prozent. Von den dreijährigen Dorstenern besuchen nahezu 99 Prozent einen Kindergarten, auch sie haben einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Anhand der 16- und 19-Jährigen ist erkennbar, wie stark die Geburtsjahrgänge mal waren: zwischen 1000 und 1200. Das heißt: In Dorsten sind diese Kinder in früheren Jahren beschult worden. Schulen sind wegen rückläufiger Schülerzahlen aufgegeben worden (Agatha II, Johannesschule, Wichernschule und die Blaue Schule). Die Raumansprüche sind aber nicht weniger geworden, weil Unterricht sich verändert hat unter heutigen pädagogischen Anforderungen. So sind Klassenräume wegen gesunkener Geburtenzahlen umgewidmet worden für den Offenen Ganztag, zu Differenzierungsangeboten und Mehrzweckräumen.

Was heißt das für Schulen oder Kindergärten in Neubaugebieten?

Da können die Kinderzahlen schon mal durch die Decke schießen, während in anderen Gebieten ohne Zuzüge die Zahlen rapide sinken. Die Stadt hat daraus gelernt. Sie achtet darauf, neue Baugebiete nach vorhandener Infrastruktur auszuweisen. Häufig war es so, dass dem Bedarf nach Baugebieten entsprochen wurde, ohne die Infrastruktur zu berücksichtigen.

Das hat laut Bürgermeister in Deuten in Neubauzeiten zu absurden Konsequenzen geführt: Bei 31 Schulneulingen hätte man eigentlich zwei Klassen bilden müssen, da die Schule aber nur vier Räume hat, war das nicht möglich. Wohngebiete wie den Kreskenhof in Holsterhausen, wo „mal eben ein paar 100 Wohnungen auf den Markt geworfen wurden“, wird es in Dorsten nicht mehr geben. „Wir wollen eine gezielte Verteilung auf die Stadtteile“, hat der Bürgermeister angekündigt.

Wie soll das funktionieren?

Jeder Stadtteil bekommt alle fünf bis zehn Jahre die Perspektive eines Neubaugebietes. Das möglichst in zwei Abschnitten, dass nicht alle Flächen gleichzeitig auf den Markt kommen, sondern nur Abschnitte. Dabei soll auf eine Durchmischung der Generationen geachtet werden, um eben nicht nur das Einfamilienhaus oder das Reihenhaus für Familien mit kleinen Kindern zu schaffen. So kann Überalterung eines Viertels vermieden werden und die älter werdende Gesellschaft mit jungen Familien aufgefrischt werden.

Wie ist die strategische Ausrichtung der Stadt? Kindergarten-Neubauten oder Schulerweiterungen?

Im Vordergrund steht immer die Frage: Ist ein kurzfristiger oder langfristiger Trend zu erwarten? Selbst wenn es in einem Jahr 15 Kinder mehr in einem Viertel gibt, ist das noch kein Indiz dafür, dass eine neue Kindergartengruppe gebaut werden muss. Denn: Für solche Bauvorhaben gibt es Fördergelder und die fließen für einen bestimmten Zeitraum. Ebbt der Kindertrend ab, muss die Stadt gegebenenfalls Fördergelder zurückzahlen, wenn die Plätze nicht gebraucht werden.

Zurzeit werden Kindergärten ausgebaut, um den Bedarf an U3-Plätzen zu decken. Wie sieht die Entwicklung in den Grundschulen aus?

Der Stadt steht einiges bevor. Neben den derzeitigen Bauaktivitäten in den Grundschulen (Modernisierung, Sanierung, Digitalisierung) sitzt der Stadt der Beschluss der Großen Koalition im Nacken, bis 2025 einen Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz einzuräumen. Die Stadt müsste also alle Grundschulen so umrüsten und ausstatten, dass alle Kinder die OGS besuchen können. Wie das bewerkstelligt werden soll bei ohnehin schon knappen Ressourcen und vollständig ausgebuchten Handwerksfachfirmen, ist noch ungelöst.

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