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Viola Roggenkamp las "Familienleben"

DORSTEN "Mensch, war das ein toller Abend!" Die sichtlich bewegte Frau brachte auf den Punkt, was wohl die meisten Zuhörer(innen) empfunden haben, die am Sonntagabend zur Lesung mit Viola Roggenkamp ins Jüdische Museum gekommen waren.

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Viola Roggenkamp las "Familienleben"

Viola Roggenkamp las am Holocaust-Gedenktag im Jüdischen Museum.

1945 war der Schrecken nicht zu Ende. "Der Kampf mit den Folgen des nationalsozialistischen Terrors ging weiter", erklärte Museumsleiter Dr. Reichling die Notwendigkeit, sich am Holocaust-Gedenktag (27.1.) auch der Leiden der Nachgeborenen zu erinnern. Viola Roggenkamp - 1948 in Hamburg als Tochter einer jüdischen Mutter und eines nicht-jüdischen Vaters geboren - ist eine Nachgeborene. Auf Einladung des Jüdischen Museums und der Stadt las die Hamburger Schriftstellerin und Publizistin aus ihrem ersten, 2004 erschienenen Roman "Familienleben", der starke autobiographische Züge trägt.

Ihre persönlichen Erlebnisse spiegeln sich in der Figur der Fania wider. Der 13-jährige Backfisch erzählt mit Temperament und hellwachem Blick vom "normalen" Alltag einer deutsch-jüdischen Familie Mitte der 60er Jahre, der von den traumatischen Erfahrungen der Vergangenheit überschattet ist.

Kein Kopfsprung

Fania lebt mit Schwester Vera, ihren Eltern und der Oma in einer heruntergekommenen Villa in Hamburg-Harvestehude. Das Haus hockt zwischen Bäumen und Büschen, wie eine Burg, in der Mutter Alma mit Argusaugen über ihre von der Außenwelt abgeschirmten Töchter wacht und sie zusehends einengt. "In unserer Familie springt niemand", verhindert sie, dass sich Fania bei der Freischwimmer-Prüfung per Kopfsprung vom Startblock ins Schwimmbecken stürzt.

Mit Witz und Wärme

Manchmal ist es nur ein Wort, das die sorgfältig verschlossenen Schreckensbilder der Vergangenheit entfesselt. Im atemraubenden Rhythmus der Todesfuge Paul Celans lässt Viola Roggenkamp sie blitzlichtartig aufleuchten. Detailverliebt, mit Witz und Wärme schreibt die Autorin aus der Mitte des Geschehens. Erheiternd sind die Passagen, wenn Fania zum Beispiel ohne Luft zu holen über die alten Damen des "Theresienstädter Kränzchen" plaudert, die aussehen wie "tot und wieder auferstanden".

Mit diesem autobiografisch inspirierten Roman hat Viola Roggenkamp doch noch den "Kopfsprung" gewagt - und dadurch festen Boden unter ihren Füßen gewonnen.

Eine zweite Lesung aus ihrem Roman "Famlienleben" hielt Viola Roggenkamp am Montag morgen im Forum der VHS vor Petrinum-Schülern.

 

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