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Von 17 auf 70 in wenigen Minuten

Dorsten Alles ist plötzlich anders. Der Rücken schmerzt, die Beine fühlen sich schwer an und es ist schier unmöglich, mit dieser eingeschränkten Sehkraft den Gang über die Fußgängerzone in einem angemessenen Tempo zu bestreiten.

Eine zehn Kilogramm schwere Weste, Gewichte an den Hand- und Fußgelenken, eine Brille, die wahlweise den Grauen Star oder einen Tunnelblick simuliert und Kopfhörer - so machten sich gestern vor allem jüngere Menschen vor der Kaufhaus Woolworth auf eine Reise durch die Zeit.

"Das ist echt schwer", stöhnt Timo Patrzek (16), der sich in den Anzug wagt. "Man kann fast gar nicht mehr laufen. Vor allem der Rücken tut mir weh." Der Schüler ist schlank und sportlich. Die Vorstellung, im Alter täglich so stark eingeschränkt zu sein, lässt ihn mit der älteren Generation mitfühlen und macht ihn nachdenklich. Genau das ist das Ziel des Beratungs- und Infocenter Pflege (BIP). In Zusammenarbeit mit Schülern des Fachseminars für Altenpflege stellten sie einen Alterungs-Simulations-Anzug vor, der 17-Jährige innerhalb von Minuten in 70-Jährige verwandelte.

Verständnis wecken

Claudia Neumayer, Lehrerin eines zehnten Jahrgangs an der Raoul-Wallenberg-Schule, ist mit der ganzen Klasse gekommen. "Ich möchte, dass die Jugendlichen Verständnis entwickeln. Deswegen haben wir eine Schulstunde hierfür in Anspruch genommen".

Julia Zinke ist Schülerin der Altenpflegeschule. Im Unterricht haben die Schüler ausprobiert, wie es ist, in der letzten Reihe zu sitzen und aufgrund der Kopfhörer nicht alles mitzubekommen, oder wegen des Tunnelblicks die Tafelanschrift nicht entziffern zu können. "Treppensteigen, Texte lesen, etwas in die Hand nehmen - irgendwie geht das alles nicht mehr so richtig", erfuhr sie bei diesem Selbstversuch. Diese wertvollen Erfahrungen sind es, die Verständnis für Ältere fördern und die die Jugend dazu veranlassen soll, vorzusorgen. Denn nur wer weiß, was später auf ihn zukommen könnte, kann entsprechend vorbeugen. kw

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