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Zusammenhalt ein Leben lang

Die Wiege der Bildung steht in Altendorf-Ulfkotte - ein Schäfer war der erste Lehrer im Dorf

In diesen Tagen blicken die Altendorf-Ulfkotter voller berechtigtem Stolz auf ein Jubiläum zurück, das Groß und Klein im Ortsteil im Juni kräftig feiern werden: Das Schulgebäude Im Päsken besteht seit genau 40 Jahren und ist damit das älteste Grundschulgebäude im Umkreis. Gleichzeitig wurde vor mehr als 250 Jahren den ersten Altendorfer Kindern Zugang zur Bildung eröffnet. Damals noch in einer Scheune des Bauernhofes Breil. Ein Schäfer, der beim Pastor Lesen und Schreiben gelernt hatte, gab seine Kenntnisse an die Kinder des Dorfes weiter. Die Eltern berappten dafür etliche Taler, um den Bildungshorizont ihrer Kinder zu erweitern. Später übernahmen Franziskaner die verantwortungsvolle Aufgabe, den jungen Burschen und Mädchen des Dorfes Wissen zu vermitteln. Der jetzige Schulleiter der Kardinal-von-Galen-Schule, Herbert Rentmeister, kann die Serie der jubiläumsreifen Daten aber noch mit einer weiteren Nennung übertreffen: Seine Schule ist gleichzeitig die älteste Kardinal-von-Galen-Schule im Bistum Münster. Beim Stöbern in der nahezu lückenlosen Schulchronik der katholischen Bekenntnisschule stieß der Rektor auf viele interessante, spannende Einzelheiten, die er in einer Festschrift zusammenfasst. «Neben der Agathaschule sind wir die älteste Schule in Dorsten», weiß Rentmeister nun aus seinem ausführlichen Aktenstudium. Stolz verweist er darauf, dass die Altendorfer Schule stets auf ein gleichbleibend großes Schülerpotenzial zurückgreifen konnte. «Seit 1850 besuchen im Schnitt 120 Jungen und Mädchen unsere Einrichtung», erzählt er. Generationen von Altendorfern wurde an wechselnden Standorten - zuerst in der Scheune Breil, später in einem kleinen Fachwerkhaus, bis in die 60iger Jahre an der Altendorfer Straße - das kleine Einmaleins neben vielen anderen Kenntnissen eingebläut. Einbläuen: «Das war noch nach dem Krieg so Sitte», schildert Herbert Rentmeister, der auch Einblicke in Strafbücher bekam. So bekamen die Jungen des Ortsteils noch 1949 ihren Ungehorsam auf Beschluss der Lehrerkonferenz mit dem Rohrstock ausgeprügelt. In einem anderen Strafbuch aus dem 19. Jahrhundert fehlen indes die entsprechenden Seiten: «Dort hat ein Pädagoge wohl für eine weiße Weste im Nachhinein ges orgt», schmunzelt Rentmeister. Viele Familiennamen ziehen sich indes wie ein roter Faden durch die Schulgeschichte. Altendorf-Ulfkotte, das sich bis heute seinen dörflichen Charakter bewahrt hat, ist stolz darauf. «Viele Eltern, die zusammen die Schulbank gedrückt haben, legen bei der Anmeldung ihrer Kinder Wert darauf, dass ihre Jungen und Mädchen eine Klasse besuchen», weiß Rentmeister aus Erfahrung. Der enge Zusammenhalt der Schulkinder währt häufig genug ein Leben lang - und auch Zugezogene werden gerne unter die Fittiche genommen, wenn sie es zulassen. Schule damals und heute ist für Rentmeister denn auch ein schier unerschöpfliches Lesekapitel, dem stets weitere Aspekte hinzugefügt werden könnten, wenn seine Zeit ausreichen würde. Eine ganze Kiste mit alten Büchern gibt es, manche Altendorfer haben bereits ausschnittweise die lebendige Schulgeschichte in anderen Jubiläumsschriften zu Papier gebracht. Doch Anspruch auf Vollständigkeit kann angesichts der 250-jährigen Historie von niemandem erhoben werden. Claudia Engel

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