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100.000 € in die eigene Tasche

DORTMUND Skandal im JobCenter ARGE: Ein Mitarbeiter hat innerhalb von sechs Monaten 100.000 Euro veruntreut – statt bei den Hilfeempfängern landeten Mietzahlungen auf dem Konto des Sachbearbeiters.

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100.000 € in die eigene Tasche

Die ARGE in Dortmund wurde für einen Angestellten zum Selbstbedienungsladen. 100.000 Euro hat der Beschuldigte verzockt.

„Wir haben Anfang Januar Anklage gegen den 35-Jährigen erhoben“, bestätigt Dr. Ina Holznagel, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft. Der Dortmunder, der vorübergehend auch kommissarischer Teamleiter am Standort Luisenstraße war, hat den Betrug gestanden. Als Motiv gab der bislang völlig unbescholtene städtische Mitarbeiter Spielsucht an – die unterschlagene Summe hat er verloren.

Zu den Datenmanipulationen kam es bereits 2006. „Der Leistungssachbearbeiter machte sich den Umstand zunutze, dass Mietzahlungen von der ARGE in begründeten Einzelfällen auch direkt an den Vermieter überwiesen werden können“, so Holznagel. Ein halbes Jahr lang erfand der Angeschuldigte u.a. fiktive Mieten. Praktisch für ihn: Sobald er die Daten einmal in den Computer eingegeben hatte, sorgte die bundeseinheitliche Finanzsoftware dafür, dass die Gelder Monat für Monat automatisch flossen.

Wenn er mehr Geld wollte, dachte sich der 35-Jährige Nachzahlungen oder Mieter-Darlehen aus: So flossen mehrfach über 10.000 Euro auf Privatkonten, auf die er Zugriff hatte. Die größte Summe, die er sich genehmigt hatte, beträgt 15.614,84 Euro. Die Arbeitslosen bekamen von alledem nichts mit. Holznagel: „In zwei Fällen erfand der Mitarbeiter sogar die Person des Hilfeempfängers.“

Betrug flog im Urlaub auf

Der Schwindel mit den öffentlichen Geldern flog im Dezember 2006 bei einer gezielten Aktion zur Überarbeitung der Mietzahlungen auf. Denn zu diesem Zeitpunkt hatte der 35-Jährige gerade Urlaub, eine Kollegin vertrat ihn. Dass die Ermittlungen gegen den untreuen Mitarbeiter erst gut ein Jahr später abgeschlossen werden konnten, liegt unter anderem daran, dass es für die ARGE zunächst offenbar schwierig war, das Ausmaß der getürkten Zahlungen abzuschätzen – erst im August übermittelte die ALG II-Stelle der Polizei ihren Ermittlungsbericht mit der Schadenshöhe.

Am Montag wurde dem Dortmunder die Anklageschrift zugestellt – wegen Untreue muss er sich demnächst vor dem Schöffengericht verantworten.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Dienstag-Ausgabe der RN.

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