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Albträume und Weinkrämpfe

DORTMUND An Schule war nicht zu denken. Erst recht nach dieser Nacht. "Ich hab' geweint", gibt Justin zu. Der Achtjährige saß in dem Bus, der gestern mit einem Mercedes-Cabrio zusammenprallte.

Albträume und Weinkrämpfe

Das Lachen fällt ihnen (noch) schwer: Justin (l.) und sein Zwillingsbruder Jeremy.

Dessen 24-jähriger Fahrer erlag in der Nacht seinen schweren Verletzungen. Justin und die 20 anderen Kinder der Johannes Wulff-Förderschule trugen auf den ersten Blick keinen Schaden davon. Doch dann kam die Nacht.

"Er hat in seinem Zimmer geschlafen", berichtet Mutter Melanie I. (32), "aber ich musste oft nachschauen." Albträume und Weinkrämpfe plagten den Jungen. Morgens am Frühstückstisch der nächste Schock: "Er drehte den Kopf immer hin und her und wollte nicht still sitzen."

Sofort fuhr sie mit Justin zum Arzt. Dann die Erleichterung: "Nichts Ernstes, aber wir müssen Montag nochmal hin." Auch andere betroffene Nachbarn hätten mit ihren Kindern den Arzt aufgesucht. "Ich verstehe nicht, warum alle unbedingt am nächsten Tag wieder zur Schule sollten", sagt Melanie I., "so ein Erlebnis steckt nicht jeder einfach weg."

"Will nicht mehr mit ihr fahren"

Auch Justin nicht. Er spielt zwar mit seinem Meerschweinchen und plant das Wochenende: "Vielleicht gehen wir auch auf den Spielplatz, oder wir spielen mit der Play Station." Auf den Busunfall angesprochen, wird er jedoch ruhig und weicht mit seinem Blick auf den Boden aus. "Die Busfahrerin hatte Schmerzen", murmelt er, und: "Ich will nicht mehr mit ihr fahren."

Bei den Busfahrern, die wir vor der Förderschule gesprochen haben, ist man sich sicher: Das versuchte Ausweichmanöver ihrer Kollegin hat Schlimmeres verhindert. "Ich setzte den Bus lieber in die Planken, als frontal mit einem Fahrzeug zusammenzuprallen", sagt ein Kollege. Ein Bus könne nunmal nicht wie ein normaler PKW reagieren. "Da gibt es keine Schlenker, sondern es geht direkt in die Wiese. Sie hat alles richtig gemacht."

Zweiter tödliche Unfall 

Der tragische Zusammenstoß zwischen dem Cabrio und dem Schulbus war bereits der zweite tödliche Verkehrsunfall innerhalb eines guten Monats: Knapp 100 Meter von der Unfallstelle entfernt starb am 21. Juli ein 49-jähriger Motorradfahrer, nachdem er beim Überholen eines anderen Krads gestürzt war.

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