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Alles in der Gewalt

Berlin ist weit. Doch das politische Beben, das die so genannte Machtergreifung Adolf Hitlers am 30. Januar 1933 - heute vor genau 75 Jahren - auslöste, war auch in Dortmund zu spüren. Die weitreichenden, zum Teil tödlichen Folgen konnten aber nur die wenigsten abschätzen.

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Alles in der Gewalt

<p>Mehrfach war Adolf Hitler auch in Dortmund - das Bild zeigt ihn nach seinem Auftritt am 9. Juli mit Polizeipräsident Wilhelm Schepmann.</p>

In Dortmund bedeutete die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler zunächst einmal einen Höhepunkt der vehementen Auseinandersetzungen zwischen Links und Rechts. Auch hier feierten die NS-Anhänger mit Fackelzügen wie in Berlin spontane Siegesfeiern - selbst im beschaulichen Lanstrop. Die Dortmunder Zeitungen druckten Extrablätter, die Nachricht verbreitete sich in Windeseile. "Dortmund spricht über Hitler!" titelte am nächsten Tag die NS-Zeitung "Rote Erde". Es war aber nicht unbedingt frohe Erwartung, die mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten verbunden war.

Die Gegner kamen denn auch am 31. Januar zu spontanen Gegendemonstrationen zusammen. Die Kommunisten demonstrierten auf dem Hansaplatz, auf dem Stein- und Borsigplatz. In Hörde zogen sie vor das SA-Heim und versuchten, die Arbeiter der Hermannshütte zum Streiken zu bewegen. "Nieder mit Hitler!" lauteten die Rufe, die bis tief in die Nacht durch die Stadt tönten.

Es sollte die letzte Gelegenheit sein, so öffentlich seine Meinung gegen die Nazis zu bekunden. Denn schon am 1. Februar wurden durch den kommissarischen preußischen Innenminister Hermann Göring zunächst alle Versammlungen der KPD "unter freiem Himmel" verboten. Stattdessen zog erneut ein rechter Fackelzug mit 4000 Teilnehmern - Mitgliedern von SS, SA, Stahlhelm und dem Deutschnationalen Arbeiterbund - durch die Stadt - wie es hieß als Demonstration des "erwachenden Volkes".

Straßenschlachten

Auseinandersetzungen mit regelrechten Straßenschlachten zwischen Rechts und Links hatte es schon in den Jahren zuvor gegeben. 1930 gab es dabei ein Todesopfer. Anfang Juli 1932 erschossen Nationalsozialisten den Arbeitersportler Heinrich Steinweg. Über 40 000 Menschen kamen zu seinem Begräbnis.

Mehrheitsfähig war die NSDAP dagegen in Dortmund nie: Bei der Reichstagswahl im November 1932 kam sie hinter KPD, SPD und Zentrum gerade einmal auf 17,7 Prozent. Bei der Stadtverordnetenwahl am 12. März 1932 waren es 30,2 Prozent - wobei man zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr von einer freien Wahl sprechen konnte.

Denn zu diesem Zeitpunkt hatte auch in Dortmund die schleichende Machtergreifung der Nationalsozialisten längst begonnen. Am 17. Februar wurde der SA-Führer Wilhelm Schepmann an Stelle des Sozialdemokraten Karl Zörgiebel zum Polizeipräsidenten ernannt. Am 7. März wurde am Polizeipräsidium die Hakenkreuzfahne gehisst, einen Tag später auch am Alten Rathaus. "Diese Fahnen werden nie mehr heruntergeholt werden, es sei denn, dass Deutschland zugrunde ginge", verkündete der SA-Standartenführer Bauer dabei vor den versammelten braunen Truppen. Er sollte leider recht behalten ...

Gegner ausgeschaltet

Straßen wurden in den folgenden Wochen nach den NS-Größen Hitler oder Göring umbenannt, immer mehr Zeitungen verboten. Und trotz des 30 Prozent-Stimmenanteils sicherte sich die NSDAP auch ihre Mehrheit in der neu gewählten Stadtverordnetenversammlung. Die Abgeordneten der KPD wurden von den Sitzungen ausgeschlossen, vier SPD-Abgeordnete verhaftet - darunter der spätere Oberbürgermeister Fritz Henßler.

Der NSDAP-Gauinspektor Gottfried Flach konnte so zum Stadtverordneten-Vorsteher gewählt werden. Das Sagen hatte ohnehin der am 24. März eingesetzte Staatskommissar Bruno Schüler. So konnte die SA zu ihrem Westfalen-Treffen und Gauparteitag Anfang Juli in Dortmund bereits triumphieren: "Wir haben die Gegner zu Paaren getrieben. Ihre Organisationen sind zerschlagen oder in unserem Besitz, die Staatsgewalt bedingungslos in der Gewalt des Führers." Oli

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