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Auf der Aufbruchswelle reiten

DORTMUND Für die CDU hatte es etwas von Revolution. Die dreiköpfige Stellvertreter-Riege von Parteichef Erich G. Fritz (60) wurde mit Ausnahme von Claudia Middendorf beim Parteitag vor einer Woche ausgewechselt. Hineinkamen neue Angreifer: Uwe Waßmann (44) und Steffen Kanitz (23). Im Interview erzählen sie, wo es in den nächsten zwei Jahren langgehen soll.

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Neue Vize-Chefs der Dortmunder CDU: Steffen Kanitz und Uwe Waßmann stellen sich im RN-Interview den Fragen unserer Redaktion.

Steffen Kanitz: Welle donnert über Rot-Grün herein.

Uwe Waßmann: Es gibt keine Trennungslinie in der CDU.

Sie beide sind das, was Parteichef Erich G. Fritz „Aktivposten" nennt. Sind Sie zwei schon ein Team? Kommen Sie miteinander klar?Kanitz: Wir sind ein sehr gutes Team und schon seit zwei Jahren. Wir haben uns über den Landtagswahlkampf kennen gelernt und arbeiten seitdem sehr gut zusammen. Waßmann: Wir haben auch gemeinsam den Bundestagswahlkampf erlebt, bei dem ich Wahlkampfleiter  für Dortmund war mit Steffen Kanitz an der Seite. Wir haben uns da kennen und schätzen gelernt.

Es ist kein Geheimnis, dass die Dritte in der Vize-Riege, Claudia Middendorf, ihren alten Vorstandskollegen Matthias Ulrich und Sascha Mader nachtrauert und sich schwer tut mit der neuen Lösung. Wie wollen Sie aus dem Duo Kanitz/Waßmann ein Trio mit Middendorf machen?Waßmann: Anhand der Arbeit, die vor uns steht. Claudia Middendorf ist lange genug dabei, um genau wie wir zu wissen, dass wir vom Parteitag einen Auftrag für die nächsten zwei Jahre haben, den wir bestmöglich zu erfüllen haben.  Ich gehe davon aus, dass wir ein prima Team sein werden. Kanitz: Claudia deckt als CDA-Vorsitzende den wichtigen Arbeitnehmerflügel ab und steht für Sozialpolitik. Wir wollen die Menschen mitnehmen und Claudia kann das.

Was haben Ihre Vorgänger im Vorstand falsch gemacht?Waßmann: Ich frage lieber andersherum. Was macht die Neuen aus? Das war das Entscheidende auf diesem Parteitag. Kanitz hat ein neues Profil, was gewinnbringend ist, Middendorf ist bestätigt, und was Uwe Waßmann angeht: Für den einen polarisiert er, für den anderen ist er aber auch Kommunikator der CDU-Politik in dieser Stadt. All‘ das ist sicherlich in der Summe bewertet worden.

In Gesprächen mit Parteimitgliedern kann man den Eindruck bekommen, dass es nach dem Parteitag eine Trennungslinie zwischen Norden und Süden gibt.Kanitz: Es hat keine Lagerbildung gegeben. Ich habe keinen gehört, der gesagt hat, „Ich bin völlig unzufrieden mit dem Ergebnis". Waßmann: Es gibt keine Trennungslinie. Es ist zu Veränderungen gekommen, aber das führt nicht dazu, dass es Trennungslinien gibt, sondern unsere Partei  hat sich entschlossen, mutig nach vorn zu schauen.

Herr Kanitz, was sagen Sie denen, die meinen, der Kanitz ist noch so jung, der geht nach seinem Studium ohnehin aus Dortmund weg und wäre als Hoffnungsträger dann für uns verloren?Kanitz: Die Bedenken gibt es von wenigen Leuten, aber die gibt es. Wenn man jungen Leuten keine Chance gibt, dann kann man auch nicht ausprobieren, ob sie bleiben. Mein Ziel ist, in Dortmund zu bleiben, gute Arbeit zu leisten und Sprachrohr für die Jugend zu sein. Mit der Vorstandswahl hat die CDU deutlich bewiesen, dass sie eine sehr moderne Partei ist, die Bewährtes wahrt und Neues wagt. Letztes mit meiner Person. Die konservative Partei ist die erste, die einen solchen Aufbruch wagt.

Wie werden Sie sich verhalten, wenn Sie einem Polit-Profi wie SPD-Parteichef Franz-Josef Drabig gegenüber sitzen und über die neuen Wahlbezirksgrenzen streiten sollen?Kanitz: Da werde ich nicht blauäugig hineingehen, sondern auf erfahrene Parteikollegen zurückgreifen. Wir werden dort eine Arbeitsteilung unter den Stellvertretern hinbekommen. Den Schwerpunkt meiner Arbeit sehe ich ohnehin in der Jugendarbeit. Ich will die Partei attraktiver machen für junge Wähler.

Herr Waßmann, Sie haben es selbst gesagt. Ihnen wird vorgeworfen zu polarisieren. Auch nach innen.Waßmann: Noch einmal: Der Parteitag hat gezeigt, dass es keine Spaltungstendenzen gibt. Es war ganz deutlich zu erkennen, dass die CDU aus einer Art Lethargie erwacht ist und ich vielleicht diese Strömung verkörpere. Ich möchte schon 2009 Mehrheiten erreichen. Da muss man auch mal polarisieren. Kanitz: Es gibt eine große Sehnsucht nach Polarisierung  in der Partei, und zwar auch deshalb, weil wir die große Koalition auf Bundesebene haben und dies es sehr schwierig macht für unsere eigenen Wähler, das Profil der Union noch zu erkennen. Das zu schärfen, wird sicherlich auch unser Ziel sein.

Polarisieren auch gegenüber der Ratsfraktion?Waßmann: Da wird nicht polarisiert, sondern das war ein Kennenlernen-Prozess zwischen Fraktion und letztem Kreisvorstand. Frank Hengstenberg und ich sind uns einig, dass die Fraktion der operative Arm der Partei ist, wenn es um die Umsetzung von Ideen geht, und der Kreisvorstand der Ort, an dem die Ideen entworfen werden.

Woran soll die Partei Sie beide in zwei Jahren messen?Waßmann: Das ist relativ einfach. Ob es uns gelingt, unsere  Partei als echte politische Alternative zu Rot-Grün weiter herauszuarbeiten.  Wir erleben in Dortmund eine äußerst schwache, innerlich zerissene SPD, Grüne, die eine teilweise unerträgliche Dominanz in der Stadt ausüben, da gilt es dann wieder zu polarisieren und deutlich zu machen, wo wir uns abgrenzen. Kanitz: Mein Ziel speziell ist, mehr Jungwähler und junge Mitglieder zu gewinnen.

Was wollen Sie denn den jungen Menschen anbieten?Kanitz: Ein Mix aus Fördern und Fordern. Wir müssen Angebote schaffen. Um die Freizeit der jungen Menschen konkurrieren wir mit vielen anderen Institutionen, mit Sportvereinen, Treffen mit Freunden, Kino. Angebote schaffen, heißt ganz konkret solche Projekte wie 12x12, mit dem zwölf Ausbildungsplätze zusätzlich pro Stadtbezirk geschaffen wurden. Dieses Projekt möchte ich wiederbeleben. Und Schulpatenschaften eng damit verknüpfen, um in der Schule auf die berufliche Realität vorzubereiten.

Wie sollen diese Schulpatenschaften aussehen?Kanitz: Ich denke da an einen Pool aus erfahrenen CDU-Mitgliedern oder sonstigen interessierten Gruppen, die den jungen Menschen ihr Berufsfeld vorstellen oder z.B. zeigen könnten, worauf es bei Bewerbungen ankommt.

Und was verstehen Sie unter fordern?Kanitz: Wir müssen den jungen Menschen klar machen, dass Demokratie vom Mitmachen lebt.

Herr Waßmann, glauben Sie wirklich, die rot-grüne Mehrheit im Rat brechen zu können?Waßmann: Ja. Unsere Stadt ist im Umbruch. Montan-Arbeitsplätze sind nicht mehr vorhanden. Die Bevölkerungsstruktur verändert sich. Das bedeutet ein enormes Potenzial für die CDU. Und dieses Potenzial müssen wir ansprechen. Es gibt eine große Unzufriedenheit mit den Genossen in der Stadt, mit dem OB und der SPD-Fraktion. Das mögliche Fußfassen der Linken macht uns zwar Sorgen, erhöht aber auch unsere Chancen, dass das bürgerliche Lager zusammenrückt.

Mit welchen Themen wollen Sie Wahlkampf machen?Waßmann: Wir werden 2008 ein attraktives Wahlprogramm erarbeiten.

Und lassen sich noch nicht in die Karten schauen?Kanitz: Mir ist der demographische Wandel wichtig, den die SPD völlig negiert, der aber zu einem gesellschaftlichen Umbruch führen wird, den wir uns in Dortmund noch gar nicht vorstellen können. Ein ganz wichtiges Thema im nächsten Wahlkampf, das wir als CDU vor den Sozialdemokraten besetzen werden. Die haben das Thema bisher immer verschlafen.

Womit fangen Sie morgen an?Waßmann: Wir wollen auf der Welle der Aufbruchsstimmung in der CDU reiten. Sie soll wachsen. Wohldosiert wachsen. Bis in den Wahlkampf hinein. Dann schwappt die Welle über Rot-Grün zusammen. Kanitz: Sie donnert über Rot-Grün herein.

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Neue Vize-Chefs der Dortmunder CDU: Steffen Kanitz und Uwe Waßmann stellen sich im RN-Interview den Fragen unserer Redaktion.

Steffen Kanitz: Welle donnert über Rot-Grün herein.

Uwe Waßmann: Es gibt keine Trennungslinie in der CDU.

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