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Auf der Suche nach ein bisschen Zeit

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5 vor 5 in Dortmund. Jeden Mittwoch porträtieren wir Menschen unserer Stad t:

Wie lautet nur die korrekte Anrede? Herr Pfarrer? Pfarrer Brüggemann? Herr Pater? "Bruder Dietmar", sagt Bruder Dietmar. "Denn bei Herr Pater schwingt die Verbeugung gleich mit." Alle sollten sich wie Brüder benehmen. Also Bruder Dietmar.

Der ist 49 und seit drei Wochen als Ordensbruder der Franziskaner zugleich der neue Pfarrer der kath. Franziskusgemeinde in der östlichen Innenstadt. Hat sich schon ganz gut eingelebt, wie er sagt. Doch der neue Job (er würde nicht Job sagen, weil es für ihn eine Berufung ist), also, die neue Aufgabe fordere ihn.

Vorher, als Krankenhaus-Seelsorger in Hannover, ging er auf die Kranken zu, verbrachte mit ihnen viel Zeit. Jetzt ist alles hektischer. Die Menschen, die Gruppen, sie kommen auf ihn zu. Er muss organisieren, sich zeigen, Termine einhalten. "Ein bisschen wie ein Manager." Alles ist hektischer.

Man mag das nicht sofort glauben, so wie er in dem eichenholz-dunklen Büro seines Vorgängers, Pater Ronald, sitzt - Braune Ordenskutte, zart mit Gold eingefasste Brille: Bruder Dietmar strahlt Ruhe aus.

Für ihn sei das Spirituelle wichtig. Zeit für den Einzelnen zu haben. Zeit für Stille zu haben. "Achtsamkeit für den Mitmenschen." Er befürchtet, dass ihm das bei dem ganzen Anforderungskatalog an einen Gemeindepfarrer verloren gehen könnte.

So verpflichtet er sich selbst dazu, gegen fünf vor Fünf die tägliche Messe in der Kirche vorzubereiten. "Hier im Büro wird es dann etwas stiller, dann kann ich die Texte für die 18 Uhr-Messe lesen." Er sagt es nicht direkt, dass ihm Unruhe, Hektik nicht behagen. Er sagt es indirekt. "Kennen Sie das japanische Sprichwort 'Hast du es eilig, mache einen Umweg'?" Jörg Heckenkamp

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