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Baustellenleiter stürzte lautlos in die Tiefe

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Es muss ein gespenstischer Moment gewesen sein: Im November 2005 stürzte in einem Dortmunder Zementwerk plötzlich der Baustellenleiter einer Fremdfirma in den Tod. Seine Kollegen hörten nicht einmal einen Schrei - nur den Aufprall.

Gut zwei Wochen kämpfte der Mann anschließend um sein Leben. Dann war der 36-Jährige mit seiner Kraft am Ende. Gestern beschäftigte der dramatische Fall das Schöffengericht.

Auf der Anklagebank musste ein Außendienstmitarbeiter der Fremdfirma Platz nehmen. Wolfgang S. ist 56 Jahre alt, Vater von zwei erwachsenen Kindern und inzwischen auch schon Großvater. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, die Baustelle im Zementwerk nicht richtig abgesichert und die Monteure in Sachen Arbeitssicherheit nicht ausreichend eingewiesen zu haben.

Fakt ist jedoch, dass Wolfgang S. dafür eigentlich gar nicht zuständig war. Er hatte seinerzeit zwar unterschrieben, dass er die Sicherheitseinweisung der Monteure übernehmen werde, das Papier in seinem Unternehmen jedoch gleich weitergeleitet. Seiner Meinung nach handelte es sich ohnehin nur um einen Routineakt. Die Monteure seien schließlich ständig im Zementwerk aktiv - bis zu 30 Mal im Jahr.

Außerdem habe es sich bei dem Unfallopfer um einen der erfahrensten Arbeiter der Firma gehandelt. Der Mann war rund 15 Jahre dabei, Vorarbeiter und Baustellenleiter. Warum er dann trotzdem durch eine Montageklappe einer über vier Meter hohen Arbeitsbühne fiel, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben.

"Ich weiß bis heute nicht, wie es passiert ist", sagte der Angeklagte den Richtern. Er war damals noch am selben Tag ins Krankenhaus gefahren. Und Dirk Becker, sein Verteidiger, ergänzte: "Mein Mandant leidet noch immer sehr unter der Sache."

Aber ist er auch schuldig? Zu einer Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung kam es gestern auf jeden Fall nicht mehr. Die Dortmunder Schöffenrichter stellten das Strafverfahren am Ende gegen Zahlung von 1000 Euro ein.

Jörn Hartwich

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