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Die Busbegleiter von DSW21 steigen aus

Das Projekt sollte eine Chance für Langzeitarbeitslose sein

Dortmund Sie helfen beim Ein- und Ausstieg, begleiten zum Sitzplatz und geben nicht selten Fahrplanauskünfte. Ende April ist damit allerdings Schluss: Die Busbegleiter von DSW21 steigen aus.

Das Projekt sollte eine Chance für Langzeitarbeitslose sein

Christina Müller und Rainer Helmecke haben Glück. Sie werden in den Fahrdienst wechseln und am Steuer sitzen. Foto: Gregor Beushausen

Christina Müller (42) hatte die Hoffnung aufgegeben. 16 Jahre lang war sie arbeitslos, zuletzt gefangen in Hartz IV. Rund 500 Bewerbungen hat die gelernte Maler- und Lackiererin geschrieben. Und oft genug gehört, als alleinerziehende Mutter sei sie nicht flexibel genug. „Irgendwann habe ich resigniert“, sagt sie. Diese Phase hat sie hinter sich gelassen:

Seit Mai 2016 ist sie als Busbegleiterin von DSW21 in allen Linien unterwegs, die durch Hombruch fahren. Christina Müller gehört zu jenen 20 von insgesamt 13.200 Langzeitarbeitslosen, die sich auf Anstoß des Jobcenters über das Bundesprogramm „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“ für die Rückkehr ins Berufsleben qualifizieren.

Das Projekt läuft Ende April aus

Das im Mai 2016 gestartete Projekt ist auf zwei Jahre begrenzt und läuft Ende April aus. Eine Anschlussmaßnahme ist zurzeit nicht in Sicht. Doch auf der Straße stehen wird Christina Müller aller Voraussicht nach nicht: Sie hat sich bei DSW21 für eine Ausbildung als Busfahrerin beworben. Auch, wenn die endgültige Zusage noch aussteht: „Es sieht ganz gut aus“, sagt Roland Becker, Koordinator für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen bei DSW21.

Ihr Kollege Rainer Helmecke (56) hat seine Festanstellung bei DSW21 schon sicher. Ab Juni wechselt auch er in den Fahrdienst und absolviert eine Ausbildung als Bahnfahrer. Als Krankenpfleger hat er gearbeitet, als Industriekaufmann, als Sekretariatshelfer an Schulen. Nach zuletzt vier Jahren Arbeitslosigkeit sieht er endlich Land. „Obwohl ich auch die Tätigkeit als Busbegleiter gern weitergemacht hätte“, wie Helmecke sagt. „Eine schöne Aufgabe.“

Dienstbeginn ist morgens um 6.30 Uhr

Eine, die Disziplin erfordert. Frühes Aufstehen, pünktliches Erscheinen – Müller und Helmecke gehören zu jenen, für die der Dienstbeginn morgens um 6.15 Uhr keine Hürde war. 30 Stunden pro Woche waren sie auf Achse. Sie haben als Busbegleiter älteren Menschen beim Ein- und Aussteigen geholfen, zum Sitzplatz geführt und Fahrplanauskünfte gegeben.

Nicht, dass Christina Müller am Ende jeden Fahrgast persönlich begrüßt hätte. „Aber natürlich haben sich auch persönliche Kontakte ergeben“, erzählt sie. „Irgendwann wusste ich, welcher Fahrgast an welcher Haltestelle ein- und aussteigt.“ Es sei schade, dass es bald keine Busbegleiter mehr gebe – das habe sie oft gehört, sagt Müller. Gar nicht lange her, da habe ihr eine Dame Schokolade in die Hand gedrückt: „Weil sie immer so nett sind.“

Dass nicht jeder seiner Schützlinge aus der Langzeitarbeitslosigkeit sofort in der Erfolgsspur landet, gehört für Projektkoordinator Becker dazu. Kommt eben vor, dass der Ein oder Andere den Wecker überhört oder es sich lieber im Cafe gemütlich macht.

Becker erinnert sich an einen Schützling, der sich anfangs sein Käppi ins Gesicht zog, im Bus Platz nahm und unsicher auf den Boden starrte. „Der hatte gar nicht mitbekommen, dass ich neben ihm stand“, sagt Becker. Ein paar aufmunternde Gespräche, ein wenig Zuspruch – „hinterher hat der einen Bombenjob gemacht.“

Zwei von 20 Teilnehmern sind ausgestiegen

Zwei von 20 Teilnehmern sind während des Projektes ausgestiegen. Zwei weitere haben nach Auskunft des Jobcenters eine Zusage von anderen Unternehmen. Werden Müller und Helmecke bald DSW21-Mitarbeiter in Vollzeit (38,5 Stunden pro Woche) bleiben 14 Ex-Busbegleiter übrig, die Anfang Mai wieder auf der Straße stehen und in Hartz IV zurückfallen.

„Insgesamt ist das ein gutes Projektergebnis“, sagt Michael Schneider vom Jobcenter. Auch wer ohne Anschlussbeschäftigung dastehe, habe durch das Projekt „eine größere Nähe zum Arbeitsmarkt erreicht“ und seine Vermittlungsperspektive verbessert. Das Bundesprogramm „Soziale Teilhabe“, aus dem die Busbegleiter im Wesentlichen finanziert wurden, läuft Ende 2018 komplett aus. „Wir würden uns eine Fortsetzung in dieser oder ähnlicher Form wünschen“, betont Schneider.

DSW21 ist weiter offen für neue Projekte

Man warte auf Informationen aus dem Berliner Arbeitsministerium. Im Hause von DSW21 sieht man das ähnlich. „Wir sind grundsätzlich weiter offen für solche Projekte“, sagt Sprecher Bernd Winkelmann. Ein neues Programm werde aber frühestens Anfang 2019 folgen.

Bis dahin dürften sich Helmecke und Müller längst in ihren neuen Job eingelebt haben. Dabei kann eine Schicht als Busfahrer auch mal morgens gegen 3 Uhr beginnen. Christina Müller weiß Bescheid.

Die Busbegleiter erhielten den Tariflohn von 1503, 74 Euro pro Monat.

Hinzu kommt der Arbeitgeberanteil in Höhe von 276,61 Euro.

Zum Gesamtbetrag in Höhe von 1780,35 Euro hat das Jobcenter 1370 Euro beigesteuert.

Der Eigenanteil von DSW21 betrug 410,35 Euro.

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