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Daueralarm zermürbt Eltern

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Zwölf Wochen ist die jüngste Klientin von Christine Kandler alt. Elf Wochen davon hat sie nur geschrien. Bis ihre verzweifelten Eltern nach einer Odyssee zu Ärzten und Heilpraktikern in der Säuglings- und Kleinkindersprechstunde des Kinderschutz-Zentrums landeten.

Schon nach dem ersten Treffen konnte die Sozialpädagogin die Situation entspannen. "Das Baby ist hochsensibel und braucht deshalb sehr viel Ruhe." In ihrem Bemühen um das Kind hatten die Eltern genau das Falsche getan und es damit überfordert. Ein Teufelskreis, der schnell böse Formen annehmen kann. "Schlimmstenfalls werden solche Kinder misshandelt - geschüttelt oder allein gelassen", erzählt Kinder- und Jugendpsychiaterin Jutta Wallmeyer (Foto). Denn Babyschreien hat die Natur so angelegt, dass es heftigen Alarm auslöst, den kein Mensch über längere Zeit erträgt. "Deshalb bieten wir niederschwellige, kostenlose Soforthilfe."

Ein Angebot, wie es nicht durch die üblichen Finanzierungsmöglichkeiten abzudecken ist. Danach müsste das Kinderschutz-Zentrum nämlich im Voraus "Fachleistungsstunden" für die kleinen Klienten beantragen. Unter Dreijährige sind dabei ohnehin nicht vorgesehen. Der Antrag auf eine 150 000 Euro starke Sockelfinanzierung für den Verein wurde jetzt abgelehnt.

Die Stadt beruft sich auf ihre eigenen Angebote in der Kinder und Jugendhilfe. Anlaufstellen, die auch aufgrund langer Wartezeiten für manche überforderten Eltern keine Alternative sind. "Gerade wenn es um Babys geht, muss sofort geholfen werden", betont auch Jutta Wallmeyer. "Das eskaliert sehr schnell."

Die Vorsitzende möchte die Eltern ermutigen, früher in die Beratung zu kommen, um sich und den Babys viel Leid zu ersparen. In 44 Fällen konnte Christine Kandler allein in diesem Jahr helfen - schnell, unbürokratisch und auf Wunsch anonym.

Für diese Leistung, die fast immer als Akuthilfe einsetzt, versucht der zu 85 Prozent durch Spenden finanzierte Verein nun eine pauschale Projektförderung zu erhalten. rie

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