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Oliver Fiene wacht über 625000 Zähler

Der Herr der Drehzahlen

DORTMUND Der Thron des neuen Zählerkönigs von Dortmund ist schwarz, hat einen grauen Sitzbezug und Armlehnen aus Plastik. Auch wenn er schon dem alten König gehörte, wirkt der Thron recht neu. Schließlich sitzt kaum jemand darauf – der Regent arbeitet im Stehen.

Der Herr der Drehzahlen

Fachmännischer Blick: Oliver Fiene testen einen Gaszähler.

Und so steht Oliver Fiene im Zentrum seines Reichs, statt purpurnem Umhang trägt der 40-Jährige ein dezentes blaues Hemd mit passender Krawatte. Vor ihm auf dem Arbeitstisch erhebt sich ein Wust aus blauen und roten Kabeln, dazwischen blinken Dioden und Messanzeigen.

„Es gibt Tage, da besteht meine Arbeit nur aus Datenerhebungen.“ Fiene hält seine Krawatte mit der Hand zurück, als er sich über das Display beugt. „Niemals.“ Mit dem Zeigefinger hackt er auf die Tasten des Geräts. Die hohe Stirn legt sich in Falten. „Besser.“ Sein Blick wandert nach links, er folgt den Schläuchen, die geradewegs in einen Gaszähler führen. „Wenn wir Druck und Volumen simulieren, muss es haargenau passen.“

Der König gibt noch lange keine Ruhe. Ständig wandert er zwei Meter von einem Messgerät zum nächsten, begleitet nur von dem Surren der Klima-Anlage. „Wenigstens wird einem nicht heiß“, bemerkt er, bevor er sich wieder voll auf die Displays konzentriert und die Wahrnehmung der Außenwelt einstellt.

Zählerkönig

Erst das Klingeln des Telefons reißt ihn aus der Konzentration. Seufzend geht er zum Schreibtisch und lässt sich auf seinen Thron fallen. „Nein, wir haben ihren Zähler nicht vergessen.“ Sein Ton bleibt freundlich, auch wenn Fiener gerade aus seiner Konzentration gerissen wurde. Er tippt Tastaturbefehle ein und studiert die Tabellen auf dem Bildschirm.

„Ihr Gerät gehört zu einer Gruppe, die wir stichprobenartig messen. Da ist alles in Ordnung.“ 625 000 Zähler hat der Elektrotechniker im Blick. Stimmt etwas nicht, greift der Zählerkönig zum Hörer und schickt einen seiner 40 Mitarbeiter los, um das Gerät in die Prüfstelle zu bringen. „Die meisten Kunden sind umgänglich.“ Nachdem Fiene den aktuellen Anrufer beruhigt hat, wendet er sich wieder seiner Messstation zu.

Zwei Stunden tippen, Messwerte ändern und Displays ablesen später ist die Untersuchung abgeschlossen . Oliver Fiene verleiht dem Zähler die Eichplombe für weitere fünf Jahre. Im selben Moment öffnet sich die Tür zum Büro, und Torsten Augstein kommt mit einem weiteren Gaszähler herein.

Schnaufend wuchtet er das Gerät auf den Arbeitstisch. „Da ist was nicht in Ordnung.“Als er das sagt, ist der 38-Jährige schon auf dem Weg zum nächsten Kunden. Zurück bleiben Oliver Fiene und das Surren der Klimaanlage

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