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Der Husten ist auskuriert

Ein lang gezogener Ton nach dem anderen klingt durch das Kirchenschiff von St. Nicolai im Kreuzviertel. Stimmprobe für die Königin der Instrumente.

Die wird die Gemeinde in den Gottesdiensten bald mit neuer Klangkraft überraschen. Was dringend nötig war. "Als zuletzt Heiligabend 900 Leute in der Kirche waren, hat man die Orgel fast gar nicht gehört. Unser früherer Organist hat mal gesagt: Die Orgel hat Husten", schildert Nicolai-Pfarrer Jochen Riepe die Probleme.

Diese Stimmschwäche gehört jetzt der Vergangenheit an: "Wir haben vor allem den Winddruck erhöht", schildert Orgelexperte Markus Kaltenhauser die Therapie. Allein im Schwellwerk stecken 20 Prozent mehr Kraft. "Ein massiver Eingriff", sagt Kaltenbrunner - mit einem Seitenblick auf Vater Konrad. Der 74-Jährige war schon Anfang der 60er Jahre dabei, als die Walcker-Orgel in St. Nicolai gebaut und intoniert wurde - und sieht die Klangveränderung mit gemischten Gefühlen. "Damals hatte man noch ein anderes Klangempfinden, emotionsloser und gleichförmiger", weiß Markus Kaltenbrunner. Jetzt klingt die Nicolai-Orgel "lauter und grundtöniger".

Dazu haben die Experten natürlich auch die typischen Alterserscheinungen des Instruments behoben. "Alle 2600 Pfeifen wurden gereinigt und neu eingesetzt", erklärt Kaltenhauser senior. Allein 14 Tage dauern Einbau und Intonation, bei der jeder einzelne Ton überprüft wird. Alle 15 bis 20 Jahre ist eine solche Grundinspektion nötig. "In unserem Falle also längst überfällig", weiß Pfarrer Riepe. Doch schließlich ist eine gründliche Überarbeitung nicht ganz billig. 36 000 Euro hat die Gemeinde dafür mit Hilfe des Fördervereins, Spenden und einer Erbschaft zusammengebracht. Umso größer wird die Freude sein, wenn die Orgel mit ihren 35 Registern am 9. September zum ersten Mal mit neuem, frischem Klang ertönt. Passenderweise zum "Tag des offenen Denkmals", bei dem sich St. Nikolai als erste Sichtbetonkirche Deutschlands präsentiert. Jetzt ist das Gotteshaus nicht nur sehens-, sondern auch wieder höchst hörenswert. Oli

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