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Herrenlose Akten im Dortmunder Amtsgericht gefunden

Die Dokumente standen tagelang im Flur herum

Dortmund Ein Rechtsanwalt entdeckte im Erdgeschoss des Dortmunder Amtsgerichts Akten mit vertraulichen Daten. Das hätte nicht passieren dürfen.

Die Dokumente standen tagelang im Flur herum

Eine der Akten, die tagelang auf dem Flur des Amtsgerichts herumstanden – für jeden zugänglich. Foto: Dieter Menne

Rainer Elias Hofmeister (54) ist viel in Gerichten unterwegs. Er ist Rechtsanwalt, hat seine Kanzlei in Kassel, aber ab und an verschlägt es ihn auch nach Dortmund. So wie am Freitag (2. März). Da begleitete er eine Mandantin wegen einer Mietsache ins Dortmunder Amtsgericht. Als er auf einem Flur im Erdgeschoss des Gebäudes in der Gerichtsstraße stand, stutzte er. Da stand ein Rollwagen, vollgepackt mit alten Akten.

Viele persönliche Daten enthalten

„Wir standen da eine ganze Zeit lang, aber niemand beachtete die Akten, kümmerte sich um sie“, sagte Hofmeister im Gespräch mit unserer Redaktion. „Sie lagen in gelben Postkästen, auf jeder einzelne der vielen Akten hatte jemand einen Din-A-4-Zettel mit der Bemerkung ,Müll’ gelegt.“

Für den Rechtsanwalt ist ein solcher Umgang mit vertraulichen Gerichtsakten ein Unding: „Da stehen doch jede Menge persönliche Daten und Fakten drin, die dürfen doch nicht in unbefugte Hände gelangen, selbst wenn es sich um länger zurückliegende und abgeschlossene Fälle handelt“.

Der Rechtsanwalt nahm eine der vielen Akten an sich. Durfte er das? „Ich wollte sie ja nicht stehlen und will sie auch zurückgeben. Mir ging es nur darum, mal genau zu schauen, was da eigentlich drin steht. Es hätte theoretisch belangloses Zeug sein können.“

Streitsache einer Immobilienangelegenheit

War es aber nicht. Die Akte liegt inzwischen der Redaktion vor. Sie umfasst 234 Seiten, eingepackt in einen abgegriffenen hellgrünen Aktendeckel. Es geht um eine Streitsache in einer Immobilienangelegenheit. Protokolle von Gerichtsverhandlungen, Anwaltsschreiben, Zustellungsurkunden, Mahnbescheide. Das letzte Blatt datiert vom Juli 2002.

„Ja“, bestätigte Dr. Gerhard Breuer, Pressesprecher des Amtsgerichts, „das ist leider so gewesen. Der Aktenwagen hat dort bis zum Mittwoch dieser Woche gestanden und ist dann abgeholt worden. So etwas soll nicht passieren, darf nicht passieren, ist aber passiert. Das tut uns leid, dafür kann ich mich nur entschuldigen“, sagte Breuer. Die Akten seien bereitgestellt worden, um von einem externen Dienstleister abgeholt und ordnungsgemäß entsorgt zu werden. Dabei sei es zu dieser Panne gekommen.

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