Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Bodypainting in der Buchhandlung

Die Haut ist ihre Leinwand

Dortmund Fast nackt in einem belebten Geschäft in der Dortmunder Innenstadt zu stehen und sich nicht bewegen zu dürfen, klingt wie ein Albtraum. Gesine Marwedel macht in dieser Situation Kunst. Sie hat ein Model bemalt – und zwar so, dass es völlig mit einem Bücherregal verschmilzt.

Die Haut ist ihre Leinwand

Das Model verschmilzt Stück für Stück mit dem Bücherregal. Foto: Carolin West

Es ist noch recht ruhig in der Mayerschen Buchhandlung am Westenhellweg, als die Bodypainterin Gesine Marwedel ihre Farben und Pinsel vor einem Bücherregal ausbreitet. Sie positioniert Fina (Name von der Redaktion geändert) vor einem Regal mit Liebesromanen. Fina trägt nur einen Bademantel und auch den legt sie bald ab. Sie ist eines von Gesine Marwedels Models. Fina war schon eine Fliese, ein Roboter und eine Schnecke. Und heute wird sie dank der Bodypainterin zu einem Bücherregal.

Ein Mensch als Leinwand ist schon etwas Besonderes. Der Künstler hat keine ebene Fläche und keine gleichmäßige Form. Trotz dieser augenscheinlichen Tücken hat Gesine Marwedel vor fast zehn Jahren die klassische Leinwand weitgehend aus ihrem künstlerischen Schaffen verbannt. Inzwischen malt sie als Bodypainterin hauptsächlich auf menschlicher Haut.

Eine Leinwand, die sich bewegt

„Es ist schon etwas anderes, eine Leinwand zu haben, die sich bewegt und auch mal pinkeln gehen muss“, erzählt Gesine Marwedel und lacht. Es sei aber schön, nicht alleine zu Hause zu malen, sondern sich beim Malen mit dem Model unterhalten zu können. Am liebsten malt die 30-Jährige Abstraktes und Tiere. „Aber es kommt auch immer ein bisschen auf meine Laune an, ob es vielleicht auch etwas Gruseliges wird“, sagt sie.

So entsteht das Gemälde auf der Haut

Damit das Kunstwerk auf der Haut des Models später genauso aussieht wie das Bücherregal, muss Gesine Marwedel sehr genau und präzise sein.
Fina (Name von der Redaktion geändert) hat schon häufiger für die Künstlerin Model gestanden.
Pastellfarben sind angesagt - denn bei den Buchcovern ist die Mehrzahl in ganz seichten Farben gehalten.
Die Farben, die Gesine Marwedel verwendet, sind alle dermatologisch getestete Bodypainting-Farben. Mit Wasser und Seife seien die gut abwaschbar.
Zu Beinn der Arbeit trägt das Model noch ihren Bademantel. Stück für Stück weicht der Stoff Farbe und Pinsel von Gesine Marwedel.
Fünf Stunden dauert es, bis das Kunstwerk auf der Haut mit all seine Details fertig ist.
Auch auf die Arme hat die Künstler die Cover der Liebesromane gemalt. Nu so kann das Model vor dem Bücherregal verschwinden.
Dort, wo Bücherregal und Finas Körper aneinander grenzen, nimmt Bodypainterin Gesine Marwedel Bücher im Hintergrund als Vorbild, um das Model vollständig mit dem Regal verschmelzen zu lassen.
Das Bemalen der Beine nimmt wesentlich weniger Zeit in Anspruch als das Bemalen des Oberkörpers. Für die Beine hat Gesine Marwedel nur gut eine Stunde gebraucht.
Betrachtet man die Szene genau von dem Referenzpunkt der Bodypainterin, verschwindet das Model nahezu vor dem Regal.

Gruselig wird es heute nicht. Fina bekommt schließlich nur Liebesschmöker auf die Haut gemalt. „Das Malen an sich ist angenehm“, erzählt sie. „Am Anfang, wenn noch viel nackte Haut zu sehen ist, ist es schon etwas komisch. Aber am Ende fühle ich mich wie angezogen.“ Sie hat schon häufig mit Gesine Marwedel zusammengearbeitet. Die beiden verstehen sich sehr gut – auch das sei wichtig beim Bodypainting, das Vertrauen zum Künstler.

Eine Frau verschwindet

Gesine Marwedel verwendet ausschließlich dermatologisch getestete Bodypainting-Farben. Mit Wasser und Seife seien die gut abwaschbar. „Nur bei Türkis wird es schwierig“, sagt Fina, als die Bodypainterin ihr direkt zu Beginn mit einem Pinsel voller türkiser Farbe zu Leibe rückt. Liebesromane sind eben „leider“ pastellfarben.

Innerhalb von gut fünf Stunden malt Gesine Marwedel Regalbretter und Bücher Stück für Stück auf Finas Körper. Wer das Ganze von dem Referenzpunkt der Bodypainterin aus betrachtet, sieht das Model nach und nach im Bücherregal verschwinden. Auch Gesicht, Ohren und Haare müssen bemalt werden, um den Effekt zu erzielen.

Besucher und Mitarbeiter der Buchhandlung beobachteten das Treiben interessiert. „Wahnsinn“, ist wohl das meist gesagte Wort an diesem Tag.

Anzeige
Anzeige