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„Kemper & Flenner“ und „Milli’s“ schließen

Dortmund verliert zwei weitere Traditionsgeschäfte

Dortmund Mit dem Porzellan-und Glasgeschäft „Kemper & Flenner“ sowie der Modeboutique „Milli’s“ schließen in der Dortmunder City wieder zwei traditionsreiche, inhabergeführte Fachgeschäfte. Die Räumungsverkäufe laufen. Kunden und Cityring sind bestürzt.

Dortmund verliert zwei weitere Traditionsgeschäfte

Alles muss raus: Das Fachgeschäft Kemper & Flenner schließt nach 63 Jahren. Foto: Oliver Schaper

Da gehe wieder ein Stück Geschichte verloren, hört Marlis Koch jetzt laufend und: ihre Geschäftsaufgabe sei jammerschade. „Viele Kunden verabschieden sich jetzt mit Handschlag von uns“, sagt die Inhaberin, die eine geborene Kemper ist. Ihre Eltern, Mia (geborene Flenner) und Fritz Kemper, gründeten das Fachgeschäft für hochwertige Tischkultur und Wohnaccessoires vor 63 Jahren im damaligen ADAC-Haus an der Kaiserstraße. Als der ADAC sieben Jahre später im Ladenlokal ein Reisebüro einrichten wollte, zogen die Kempers 1962 in das damals neu errichtete Geschäfts- und Wohnhaus am Marienkirchplatz mit der offiziellen Adresse Kleppingstraße 3-7.

Druck aus dem Internet

Bis heute ist das letzte inhabergeführte Porzellan- und Glasgeschäft in Dortmund dort ansässig und gehört seither auch zu den ersten Adressen für Hochzeitsgeschenke. Dies vor allem in den Zeiten, in denen sogenannte Hochzeits-Tische dekoriert wurden mit den zerbrechlichen Geschenkewünschen der Brautleute.

Marlis Kemper sagt, es gebe drei Gründe für die Geschäftsschließung, einmal das Alter (ihr 70. Geburtstag ist schon eine Weile vorbei), der zunehmende Druck aus dem Internet und die mangelnde Nachfolge. Sie führt das Geschäft mit vier Angestellten, von denen einige seit mehr als 40 Jahren dabei sind, und zwei Aushilfen zur Weihnachtszeit. Noch suchen ihre Mitarbeiter neue Jobs. Bis Ende Juni müssen alle Artikel aus dem hochwertigen Angebot verkauft sein. Es wird danach aber keinen Leerstand geben.

Auf Anfrage dieser Zeitung sagte Pfarrer Ingo Marxeiner von der evangelischen St. Mariengemeinde Dortmund als Vermieter, auch die Nachfolger von Frau Kemper würden dort einen inhabergeführten Facheinzelhandel betreiben. Der Gemeindepfarrer möchte die Branche noch nicht verraten. Nur so viel: Über die direkte Nachbarschaft von Henriettes Küchenladen seien die Nachmieter sehr erfreut. Es darf also spekuliert werden, ob demnächst schöne Dinge aus der Welt des Wohnbedarfs am Kirchplatz angeboten werden.

Die wohl älteste Boutique Dortmunds schließt

Nach über 50 Jahren gehen auch die Lichter aus in der wohl ältesten Boutique Dortmunds. Die Schwestern Linda und Marina Kronwald, zuletzt Inhaberinnen vom Fashion-Store „Millis“ an der Kampstraße 41, haben mit dem Ausverkauf ihrer exklusiven Damenmode begonnen.

Matthias Hilgering, selbst Inhaber des ältesten Weinhandels in der Stadt und Vorstandsmitglied des Cityrings, bedauert die Entwicklung in der City: „Das sind beides sehr gute Fachgeschäfte.“ Aus verschiedenen Gründen, auch aus sozialen, sei es wichtig, den lokalen Handel zu stärken. Das Einkaufserlebnis, Dinge anzufassen und sich beraten zu lassen vor Ort, könne das Internet nicht bieten.

Schon vor drei Jahren warnte der Deutsche Städte- und Gemeindebund vor einer Verödung der Innenstädte durch den Internet-Boom.

Der Cityring unternimmt alle Anstrengungen, über Feste, Messen und weitere Events die Innenstadt attraktiv zu halten.

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