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Ein Filzanzug aus dem Fluxus-Kosmos

Das Kunstwerk des Monats Februar hängt im Museum am Ostwall, vor allem aber hängt es an einem Holzbügel. Es ist 38 Jahre alt, und es besteht aus reinem Filz. Filz? Ja, genau: Es ist ein Objekt von Joseph Beuys.

Man erkennt es auf den ersten Blick als Anzug, doch wer genauer hinschaut, bemerkt, dass sich das vermeintliche Kleidungsstück dem Gebrauch verweigert: Unförmig-sackartig ist die Jacke, viel zu lange Beinen hat die Hose. Alles, was Kleidungsstücken modischen Chic, Komfort oder auch nur Tragbarkeit gibt, fehlt: Knöpfe und Knopflöcher, Aufschläge und Bügelfalten. Der Filzanzug ist anscheinend eher Symbol denn Bekleidung.

Kunst-Biografie

Seit der 1921 in Krefeld geborene Künstler im Zweiten Weltkrieg mit seinem Flugzeug über der Krim abstürzte, waren Fett und Filz für Beuys wichtige Materialien: Die tartarische Bevölkerung habe ihn gerettet, indem sie ihn in Fett einbalsamiert und in Filz gewickelt habe, schilderte Beuys ungezählte Male. Wahrheit oder Legende - solche (behaupteten) biografischen Bezüge in seinen Arbeiten finden sich immer wieder. Beuys machte aus seinem Leben ein Kunst-Werk. "Das Leben ist ein Kunstwerk, und das Kunstwerk ist Leben" lautet eines der Prinzipien der Kunstrichtung "Fluxus", zu deren Hauptvertretern Joseph Beuys gehört.

Den harten, stumpfen Filz verband Beuys mit Wärme, Schutz und Isolierung. Die leere Hülle, der bloße Anzug ohne Träger bedeutet aber zugleich Befreiung, das Ablegen von Gewohnheiten. Getragen hat Beuys, der selten ohne seinen Filzhut zu sehen war, einen Anzug dieser Art zumindest ein Mal: 1971, bei einer "Isolation" genannten Performance gegen den Vietnam-Krieg in der Düsseldorfer Kunstakademie, an der er studierte und ab 1961 auch lehrte. Später wurde der Anzug zum "Multiple", also zum Kunstobjekt, das er in einer Auflage von 100 Stück herstellen ließ. Das Museum am Ostwall besitzt die Nummer elf. So sind die auf Museen und Sammlungen verteilten Filzanzüge auch Botschafter der Ideenwelt des Joseph Beuys.

Kürzlich restauriert

Das Museum am Ostwall besitzt den Filzanzug seit mehr als 20 Jahren, zu sehen war er allerdings nicht immer. Erst kürzlich musste der grobe, braun-graue Stoff restauriert werden, erzählt die stellvertretende Museumsleiterin Rosemarie Pahlke. Damit er beim Hängen nicht ausleiert, wurde er von innen verstärkt. Trotz der Empfindlichkeit des Materials hängt er, so wie Beuys es wollte, offen an der Wand und nicht in einer Vitrine - direkt gegenüber seiner "Filz und Käse"-Installation aus dem Jahr 1968 . Die allerdings muss man sich durch das Vitrinenglas anschauen. Katrin Pinetzki

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