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Streit mit Schulleitung an Gesamtschule Scharnhorst

Eltern werfen dem Schulleiter Untätigkeit vor

SCHARNHORST Stillstand und Unterrichtsausfall sind nur zwei von vielen Vorwürfen der Schulpflegschaft an der Gesamtschule Scharnhorst in Richtung Schulleitung. Die wehrt sich. Und auch die Bezirksregierung Arnsberg hat ein Wörtchen mitzudeden.

Eltern werfen dem Schulleiter Untätigkeit vor

Kritisieren den Schulleiter der Gesamtschule Scharnhorst (v.l.): Werner Volmer, Anke Staar (beide Stadteltern) und Schulpflegschaftsvorsitzender Ralf Brenken. Foto: Schröter

An der Gesamtschule Scharnhorst schwelt bereits seit einiger Zeit ein Streit zwischen Schulpflegschaft und Schulleitung. Schulpflegschaftsvorsitzender Ralf Brenken, der dabei besonders Schulleiter Clemens Rethschulte im Visier hat, erhält nun auch Unterstützung von den Stadteltern.

Brenkens Hauptvorwurf: Der 63-jährige Schulleiter, der mit Ablauf dieses Schuljahrs in den Ruhestand geht, sei mehr oder weniger schon jetzt gar nicht mehr regelmäßig anwesend. Er tue nichts mehr und blockiere auf diese Weise die Weiterentwicklung der Schule. Weil aber nur er berechtigt sei, gewisse Entscheidungen zu treffen, befinde sich die Schule momentan in einer Art Koma. Auch an die Bezirksregierung Arnsberg hat sich Ralf Brenken bereits gewandt. Von dort komme aber ebenfalls nicht die ersehnte Hilfe.

Hier eine Auswahl von Brenkens Vorwürfen:

  • Ein Schulleitungsteam in einer Schule von der Größenordnung der Gesamtschule Scharnhorst müsse aus sechs Personen bestehen. In Scharnhorst sind es drei: Clemens Rethschulte, Regina Nizamogullari und Dirk Block. Nach einem Todesfall und zwei Dauererkrankungen sei dieser Pool niemals aufgefüllt worden.
  • Lediglich sieben von 150 Schülern der aktuellen Stufe 10 erhalte einen Q-Vermerk, der sie zum Besuch der gymnasialen Oberstufe qualifiziere. Mau sehe es ebenfalls bei der Ausbildungsplatz-Situation für die Schüler aus. Nur acht von ihnen hätten einen Ausbildungsplatz, 45 noch keinen Platz am Berufskolleg.
  • Es gebe einen eklatanten Unterrichtsausfall, der sich außerhalb jeglicher Norm befinde.
  • Viele Kurse – zum Beispiel Chemie in der 10. Klasse – würden gar nicht erteilt.

Auch aus der Lehrerschaft seien zahlreiche Beschwerden an ihn herangetragen worden, so Brenken weiter. Und das sei doch sehr ungewöhnlich, dass sich die Lehrer mit der Bitte um Hilfe an die Eltern wenden.

Ralf Brenken – und mit ihm die Stadteltern – fordert, Dirk Block mit sofortiger Wirkung als kommissarischen Schulleiter einzusetzen, um in den letzten zweieinhalb Monaten vor Schuljahrsende das Ruder noch soweit wie möglich herumzureißen.

Blick auf das Wohl der Kinder

Anke Staar, Vorstandsmitglied der Stadteltern, unterstützt dies vor allem mit Blick auf die Kinder, damit noch möglichst viele von ihnen den Q-Vermerk erhalten. Das würde ihnen eine Perspektive eröffnen.

Brenken will nun Kontakt zur Kreishandwerkerschaft aufnehmen, um noch für möglichst viele Schüler einen Ausbildungsplatz zu finden.

Schulleiter Clemens Rethschulte kann die Anfeindungen Ralf Brenkens gegen seine Person nicht nachvollziehen. Er sei in der Schule, arbeite und blockiere keine Entwicklungen. Zu den Vorwürfen im Einzelnen:

„Zahlen stimmen nicht“

Die von Brenken in den Raum gestellten Zahlen stimmen nicht, so Rethschulte. Es seien 18 von 130 Schülern, die einen Q-Vermerk erhalten. Das sei sicher immer noch wenig, aber liege noch im unteren Bereich der vergangenen Jahre, in denen es im Schnitt 25 bis 35 Schüler mit Q-Vermerk gewesen seien. Nicht jeder Jahrgang sei gleich. Man müsse bedenken, dass sich die Schule in einem sozialen Brennpunkt befinde.

Von den 158 Fünftklässlern, die im Sommer beginnen, haben lediglich zwei eine Gymnasialempfehlung. Und weil so wenige Schüler einen Ausbildungsplatz gefunden haben, sei die Schule ja extra vor einigen Wochen eine Kooperation mit der Strahlemann-Stiftung und der Talent-Company eingegangen (wir berichteten). Brenken verkehre das Engagement der Schule ins Gegenteil.

„Nachbesetzung ist Sache der Bezirksregierung“

Die Nachbesetzung von Schulleitern und auch von Mitgliedern im Schulleitungsteam sei Sache der Bezirksregierung Arnsberg. Es habe lange gedauert, diese Stellen auszuschreiben. Die Schulleiterstelle ab Juli sei noch immer nicht ausgeschrieben.

Es sei schwierig, die geforderten Formalien mit nur drei Mitarbeitern zu erledigen. Da bleiben wichtige Dinge wie Schülerberatungen auf der Strecke, so Rethschulte. Wegen Brenkens Aktivitäten bis hin ins NRW-Schulministerium müsse die Schule nun alle Unterrichtsausfälle genauestens dokumentieren. Das sei Zusatzarbeit ohne Ende. „Wir mussten deswegen schon Lehrer aus dem Unterricht nehmen“, so Rethschulte.

Dass einige Kurse nicht immer zustande kommen – wie zum Beispiel Mathe- und Physik-Leistungskurse in der Oberstufe liege an der geringen Anzahl von Schülern, die sich dafür interessieren. Man könne nicht für fünf oder sechs Schüler einen Leistungskurs einrichten. Der Lehrer, der diesen Kurs geben würde, würde dann an anderer Stelle fehlen. Möglicherweise werde die Schule aber demnächst Kooperationen mit anderen Schulen anstreben – wie der Anne-Frank-Gesamtschule –, um auch solche Kurse anbieten zu können.

„Es ist schwierig, sofort adäquaten Ersatz zu finden“

Und wenn zum Beispiel ein Chemie-Lehrer längerfristig ausfalle, sei es eben schwierig, sofort einen adäquaten Ersatz zu finden.

Jemand wie Ralf Brenken gefährde den Schulfrieden, so Rethschulte. Auch durchs Lehrerkollegium sei ein Riss gegangen. Aktuell gebe es eine Gruppe von 20 Lehrern, die nicht mehr hinter ihm als Schulleiter stehen. Ihm seien die Gründe nicht klar, warum Brenken so handle, wie er es tue, so Rethschulte. Und, ja, er freue sich auf den Ruhestand ab Sommer.

Die Bezirksregierung will Situation klären

Die Bezirksregierung Arnsberg gibt auf Anfrage dieser Zeitung folgende Stellungnahme zur Situation in der Gesamtschule Scharnhorst ab:

„Die Schule befindet sich derzeit in einer durch viele Faktoren bedingten komplexen Situation. Die Bezirksregierung Arnsberg ist seit geraumer Zeit und sehr intensiv in beratender und moderierender Weise aber auch durch die Organisation konkreter Unterstützungen dabei, die Situation aufzufangen und zu klären.

„Stelle muss ausgeschrieben werden“

Der jetzige Schulleiter wird mit dem Ende des Schuljahres in den Ruhestand gehen. Damit steht eine Nachbesetzung der Leiterstelle an der Gesamtschule Scharnhorst für das kommende Schuljahr an. Die Installation eines kommissarischen Schulleiters ist aufgrund dieser Konstellation nicht möglich. Die Stellenbesetzungsverfahren für Schulleiter sind sehr detailliert im Schulgesetz und nach dem Beamtenrecht geregelt.

Dazu gehört auch, dass eine solche Stelle ausgeschrieben werden muss, die eingegangenen Bewerbungen bei der Bezirksregierung nach definierten Kriterien bewertet werden und die Schulkonferenz einen entsprechenden Wahlvorschlag bekommt. Die Stadt Dortmund als Schulträger ist beratend in das Verfahren einbezogen.

Die Bezirksregierung trifft dann am Ende des Verfahrens eine Entscheidung nach dem Prinzip der Bestenauslese und würdigt dabei die Stellungnahmen der Schulkonferenz und des Schulträgers. Abschließend ist der Personalrat für die Gesamtschulen zu beteiligen.

Der Unterrichtsausfall in der Gesamtschule Scharnhorst liegt nach Auswertung der Daten der ministeriellen Erhebung (Rollierendes Verfahren) bei 4,5 Prozent. Dieser Wert entspricht nahezu der von der ehemaligen Landeserhebung gesetzten Norm von 4 Prozent.“

Die Gesamtschule Scharnhorst am Mackenrothweg 15 in Scharnhorst-Ost hat rund 1100 Schüler und 90 Lehrer.

„Wir sind eine Schule, in der sich alle beteiligten Menschen mit Toleranz, Akzeptanz und Respekt begegnen“, so heißt es im Leitbild.

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