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"Er war ein Sorgenkind, kein schwarzes Schaf"

Der in Dortmund geborene Martin Kippenberger gehört zu den erfolgreichsten Nachkriegs-Künstlern. Seine Schwester Sabine Kippenberger-Steil (52) lebt in Kirchhörde. Mit ihr sprach RN-Redakteurin Katrin Pinetzki.

Am Wochenende las Ihre Schwester Susanne in der Phoenix-Halle aus ihrem Buch "Kippenberger - Der Künstler und seine Familien". Wie fanden Sie die Idee, das Buch zu schreiben?

Kippenberger: Ich habe sie dabei sehr unterstützt, genau wie der Rest der Familie. Nach seinem Tod haben einige Leute viel Falsches über Martin geschrieben; er sei ein böser Mensch oder ein Frauenhasser. Das gehörte richtig gestellt. Wer ihn nur als Provokateur kennen gelernt hat, der kannte ihn eben nicht wirklich. Er hatte enormen Charme. Von dem Buch sind alle sehr angetan, auch die, die mit Kunst überhaupt nichts zu tun haben. Meine 85-jährige Schwiegermutter liest es nun zum dritten Mal.

Wie war es für Sie, durch das Buch die eigene Kindheit noch einmal zu durchleben?

Kippenberger: Das war toll. Ich habe mit meiner Schwester viele Stationen noch einmal abgefahren, auch unser Geburtshaus an der Bahnstraße. Die Geschichten, die uns Bekannte von früher erzählten, haben gezeigt, dass wir keine verklärte Sicht auf unsere Kindheit haben, sondern dass unsere Familie etwas Besonderes war. Künstler waren bei uns immer willkommen, Professoren oder Penner.

Mögen Sie seine Kunst?

Kippenberger: Ich kann nicht mit allem etwas angefangen, aber vieles mag ich sehr, gerade seine Ironie und den Witz. Wir haben zu Hause auch Bilder von ihm. Martin wollte nie beim Zahnarzt im Wartezimmer hängen. Dabei war eine seiner Sammlerinnen Zahnärztin, Martin hat sie mit Kunst bezahlt.

Kein Schulabschluss, Drogenprobleme - war er das schwarze Schaf der Familie?

Kippenberger: Er war ein Sorgenkind, aber kein schwarzes Schaf. Unsere Familie hat ihn immer unterstützt, auch wenn Martin zunächst als einziger davon überzeugt war, dass er mal berühmt würde.

Ihre Eltern waren künstlerisch ambitioniert, die Schwester schreibt - und Sie?

Kippenberger: Ich bin ganz normal. In einer Familie waren die Künstlerrollen schon vergeben. Ich arbeite als Gastbetreuerin am Dortmunder Flughafen.

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