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Falscher Priester segnete die Speisen

Irgendwann fiel in der zweieinhalbstündigen Verhandlung am Amtsgericht in Steinfurt das Wort "mediengeil". Da begann sich das Bild des 52-jährigen Dortmunders Udo H. auf der Anklagebank immer mehr zu profilieren.

Als man ihn im November 2005 beim Schneechaos schließlich aus der Stadthalle des münsterländischen Ortes Ochtrup warf, hatte der ungebetene "Helfer" bereits einigen Flurschaden hinterlassen. Amtsanmaßung und wiederholtes Fahren ohne Führerschein, so stand es relativ harmlos in der Anklageschrift. Richter Claus Hagedorn hatte aber akribisch eine ungewöhnliche Geschichte aufgerollt. Es war nicht das erste Mal, dass sich der Dortmund bei einem großen Unglück zum Katastrophenort begeben und sich dort als selbst ernannter Notfallseelsorger eingemischt hatte.

Beim Flugzeugabsturz in Überlingen, beim Transrapidunglück in Lathen oder bei einem verheerenden Wohnhausbrand in Dortmund tauchte der Mann in blaugelber Weste mit dem Schriftzug "Notfallseelsorge" auf.

Bei seinem "Einsatz" in Ochtrup trug er zusätzlich unter der Weste den priestertypischen Collar-Kragen.

Dem örtlichen Pfarrer hatte er sich als Notfallseelsorger vorgestellt. "Für mich war anhand der Kleidung offensichtlich: Priester oder Diakon", so der Pastor als Zeuge. "Und als man ihn aus der Stadthalle geworfen hatte, kam er zu mir, hat sich beschwert und gedroht, das hätte noch ein Nachspiel."

Der Rauswurf erfolgte, als verschiedene offizielle Einsatzkräfte genug von seinen eigenmächtigen Einmischungen und Entscheidungen hatten. "Der hat überall nur Hektik verbreitet und sich an keine Absprachen gehalten", so ein damaliger Helfer.

Bei der Essensausgabe an ältere Ochtruper trug er eine Stola und segnete die Speisen. Auch wenn sich der Angeklagte für "seinen selbstlosen Einsatz" bei Katastrophen mit einem "ich wollte nur helfen und zeigen, dass ich ein Christ bin" zu rechtfertigen versuchte, sah der Richter die Anklagepunkte als erwiesen an. Er verurteilte den 52-jährigen zu zwölf Monaten ohne Bewährung.

Günter Hilgemann

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