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Familien auf die Bühne holen

"Refugien der Generationen" heißt das Schwerpunktthema des Festivals "Off limits" - doch das Theater ist heute kein Refugium aller Generationen mehr. Spielplan und Spielorte müssen einem Publikum angepasst werden, das viel heterogener ist als früher. So lautet eines der Ergebnisse der beiden spannenden Symposien mit Vorträgen von Theatermachern, Zukunfts- und Trendforschern im Theater im Depot.

Theater muss mit der Lebenswelt der Zuschauer etwas zu tun haben, die Zuschauer wollen sich als Teil der Aufführung sehen, ist Quintessenz einer empirischen Studie beim Publikum. "Jugendliche identifizieren Kultur mit Theater, und das hat einen schlechten Ruf in dieser Generation", weiß Jan Deck, freier Regisseur aus Frankfurt. Dass Jugendliche moderne Inszenierungen klassischen vorziehen, ist keine neue Erkenntnis - vielleicht aber die, dass die 20- und 30-Jährigen auch gerne ins Volkstheater gehen, wenn es Kult ist oder ein Event bietet. Am modernsten sei das Publikum zwischen 50 und 65 Jahren, die Zuschauer über 70 bevorzugten klassischere Inszenierungen. Und andere Aufführungszeiten. Einige Theater wollen darauf mit Aufführungen am Nachmittag, nicht nur sonntags, reagieren.

"Das Theater muss sich öffnen, muss junge Leute und zeitgenössische Themen auf die Bühne holen", meint Trendforscherin Betty Siegel. Die Familie als Lebensraum abzubilden, sei allerdings schwer, so Dr. Susanne Winnacker, Chefdramaturgin am Deutschen Nationaltheater Weimar, weil die Familien heute zu verschieden seien.

Andere Bühnen berichteten von positiven Erfahrungen, Familien als Darsteller ins Ensemble zu integrieren. Und auch Theatermacher Peter Möbius aus Unna, Bruder von Sänger Rio Reiser, hat gute Erfahrungen damit gemacht, Jugendliche in die Theaterfamilie auf der Bühne zu integrieren. "Theater kann eine Ersatzfamilie sein, die Bühne ein Wolkenkuckucksheim", meint er.

Ein Beispiel für die Öffnung des Theater liefert das Festival selbst: Am 1. September begibt sich Off limits für das Tanzprojekt "Genius Loci - Von Erdmännchen und Nachtvögeln" in Rombergpark und Zoo. Die erste Tanz-Führung beginnt um 19 Uhr am Zoo-Eingang; internationale Künstlerinnen werden entlang der Wege und Gehege ihre eigenen Refugien erschaffen. Eine zweite, nächtliche Wanderung beginnt um 22.30 Uhr am Café Orchidee. JG www.do-offlimits.de

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