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"Firmen müssen die Hosen runterlassen"

ISERLOHN Welche Auswirkungen hat die US-Hypothekenkrise auf deutsche Kredite? Mit Professor Helmut Rödl, Vorstand im Verband der Vereine Creditreform, sprach Daniel Chmielewski.

Beeinflusst die Hypothekenkrise in den USA die Kreditvergabe der Banken an deutsche Verbraucher? Rödl: Ja, das glaube ich. Was in den USA passiert ist, wirkt auf die Vergabe von Krediten an Konsumenten. Übertrieben gesagt: Bisher war die Bonität eines Kunden in Deutschland für die Banken eher nachrangig. Sie werden nun sensibler für Risiken. Ich vermute, dass sich die Richtlinien bei Konsumentenkrediten verschärfen.

In Deutschland sind Millionen Menschen überschuldet. Verbraucherschützer machen dafür auch zu lasche Kreditvergaben verantwortlich. Also eine gute Entwicklung? Rödl: Durchaus. Es ist wirklich erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit heute Konsumentenkredite zu haben sind. Die können sie schon in Drogerien bekommen.

Das gilt aber nicht für mittelständische Unternehmen… Rödl: Es ist fast paradox: Firmen müssen, salopp gesagt, die Hosen runterlassen um Kredite zu kriegen. Bei Verbrauchern geht es relativ einfach durch eine Scoring-Prüfungen oder Ähnliches.

Muss sich der Mittelstand also auf noch schärfere Prüfungen einstellen? Rödl: Was sich verschärfen wird, ist sicher auch hier die Bonitätsbewertung. Gerade kleinere Betriebe haben oft eine prekäre Finanzsituation. Sie sind auf die Zusammenarbeit der Banken angewiesen.

Welche Branchen wären besonders betroffen? Rödl: Die Bauwirtschaft und der Einzelhandel. Beide sind relativ kapitalschwach. Im Kfz-Einzelhandel zum Beispiel gab es im ersten Halbjahr deutlich mehr Insolvenzen als im Vorjahr.

Wie sieht es bei Fuhrunternehmern aus? Rödl: Die gehen auch seit zehn Jahren durch das Tal der Tränen – zum Beispiel durch die LKW-Maut, die Treibstoffkosten und den Wettbewerb durch osteuropäische Transporteure.

Was würden Sie einem Mittelständler heute also raten, um sich Kredite zu sichern? Rödl: Ich würde raten: Geh es jetzt an. Denn jetzt geht es einer größeren Zahl von Betrieben relativ gut. Er sollte jetzt die Bankgespräche führen, jetzt den Kreditrahmen für die nächsten Jahre festzurren. Dazu wäre es wichtig, Transparenz zu zeigen.

Ihre Prognose: Wie wird sich die Zahl der Unternehmenspleiten und Privatinsolvenzen entwickeln? Rödl: Die Verbraucherinsolvenzen werden zunehmen. Wir werden in Größenordnungen um die 150.000 Fälle kommen. Bei den Unternehmensinsolvenzen muss man abwarten. Wenn die Banken den Hahn zudrehen, wird es problematisch.

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