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Hasch, Hendrix, Nervenkrise

Der 17-jährige Stephan kommt aus Lünen, verehrt Jimi Hendrix, und als er zum Haschisch greift, sieht er überall geheime Botschaften: "Voodoo Child" heißt das Hörspiel von Benjamin Quabeck und Philip Stegers, das am Dienstag beim ekamina-Abend am elektrischen Kamin im Sissikingkong zu hören war.

Produziert hat es der WDR, der das Stück auf 1Live und auf WDR 3 ausstrahlte. Weil es aber nicht als Hörbuch vorliegt, sondern nur ins Archiv wandert, sind die Autoren dankbar für weitere Aufführungen. Sagt ekamina-Kopf Wolfgang Kienast und erklärt, dass Philip Stegers ("Lee Buddah" ist sein alter ego als Musiker) verhindert sei. Er schreibe in Köln an einer Filmmusik und lasse sich entschuldigen.

Schade drum. So kann nur das Werk sprechen, nicht der Autor. Man darf unterstellen, dass die Figur des Stephan Stegers' Züge trägt. Stegers mag Jimi Hendrix ("mein Idol als pubertierender Sportgitarrist") und ist ebenfalls in der Lippestadt geboren. Stephan über Lünen: "90 000 Einwohner. Ein Hertie, keine Disko. Typische Ruhrgebiets-Kleinstadt." Weiteres Lokalkolorit: Stephan fährt nach Werne zur Kirmes. Währenddessen stirbt seine Schwester an einem Asthma-Anfall.

Mit ihrem Tod kommt Stephan aus dem Tritt. Isst Pausenbrote mit Haschbutter und driftet in eine milde Psychose. Krude Zahlenmystik und Verehrung für Jimi Hendrix bestimmen sein Leben. "Er war auf dem Planeten Stephan", sagt die jüngere Schwester. Mit einem Bein steht Stephan in der Nervenklinik, dann kriegt er doch noch die Kurve...

Es mangelt "Voodoo Child" an dramatischer Zuspitzung. Zu glatt das Ende. Ansonsten ein großer Wurf: Provinz-Alltag, Musikkult, Drogenkrise, Teenager-Dasein werden prima unter einen Hut gebracht. Solides Handwerk. Lebendig geschrieben und gesprochen (etwa von Axel Prahl), atmosphärisch aufgenommen. Dazu mit elektrisierender Musik und seltenen O-Tönen eines Jimi Hendrix-Interviews. kai

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