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Heimweh einer Weltreisenden

Brünninghausen Schäfchenwolken überziehen den blauen Himmel. Reibeplätzchen werden vertilgt und der blau- weiß kostümierte Fanfaren- Corps Wickede trompetet mit aller Kraft.

Ausgelassen feierten am vergangenen Samstag Bewohner und Mitarbeiter des Erna-David-Seniorenzentrums das 30-jährige Bestehen des Hauses. Im sommerlichen Kostüm plauscht Petra Poggenpohl (Foto links) während des Festakts mit dem Herrn mit Erbsensuppe, lächelt der Frau mit dem Rollator zu. Seit 17 Jahren ist die Sozialpädagogin Mitarbeiterin des Seniorenzentrums. Im Raucherzimmer dreht sie einen ihrer vielen Ringe um die Finger, und erzählt. Von früher und von heute. "Was morgen ist, weiß ich nicht und will ich auch nicht wissen", lacht sie. Bis dahin gibt es noch genug zu tun. Vor 15 Jahren hätte sie auch nicht gedacht, dass es mal so wird wie heute.

Die Betreuung habe sich verändert, ehrenamtliche Hilfskräfte würden immer stärker gebraucht. "Heute kommen mehr pflegebedürftige Menschen zu uns," sagt sie. Das habe zu vielen Neuerungen in der Betreuungsstruktur geführt.

In ihrem Beruf hört Petra Poggenpohl viele Geschichten, vor allem die Herzensangelegenheiten der Bewohner. Die von Erna Kleine (Foto rechts), einer der ältesten Bewohnerinnen des Seniorenzentrums, ist eine Besondere. Hinter den dicken Brillengläsern der 90-jährigen Frau blitzen zwei wache Augen hervor. Erna Kleine ist Weltreisende. Vor fünf Jahren war sie auf ihrer letzten großen Reise. In Indien.

Die kleine Frau mit den ruhigen Händen und dem langsamen Gang hat nach dem Krieg jede freie Minute zum Reisen genutzt. Alaska, Südafrika, Ceylon, die Karibik. Und dann die Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Shanghai. Erna Kleine hat viel von der Welt gesehen, gerochen und geschmeckt - und doch hat sie sich auf manch' einer Reise gesagt: "Wenn ich doch jetzt die Küche aus dem Erna-David-Haus hätte." 1993 fiel die Entscheidung, in das Seniorenzentrum zu ziehen. Bereut hat sie ihre Entscheidung nicht. "Sonst wär ich hier schon lange wieder ausgezogen", ist sie sicher.

Hinter ihr sucht jemand verzweifelt den Weg. " Dritte Tür links", ruft Erna Kleine und sagt: "Hier einzuziehen, das ist wie zu Beginn einer Reise - man muss sich in seine neue Umgebung erst mal einfinden." Jenny Marrenbach

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