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Heute fallen die "Riesen"

DORTMUND Heute knallt's. Um punkt 11 Uhr werden an diesem Sonntag die beiden Schornsteine der Kokerei Kaiserstuhl gesprengt. Da kennt Hermann Havekost kein Erbarmen.

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Akribisch werden die Schornsteine auf die Sprengung vorbereitet.

Auch diesen Schornstein wird Sprengmeister Hermann Havekost am Sonntag umlegen.

„Ich hab‘ schon auf der alten Kokerei Kaiserstuhl den Koksturm und den Schornstein umgelegt“, erinnert sich der 70-jährige Sprengmeister der Firma Gelderland. Jetzt müssen auch die Kamine der „neuen“ Kokerei dran glauben.

Acht Jahre haben sie als Anhängsel der beiden Koksbatterien der einst modernsten Kokerei Europas geraucht. Jetzt sind sie mit 165 Metern Höhe inzwischen so etwas wie Wahrzeichen der Industriegeschichte auf dem Gelände der Westfalenhütte. Nicht mehr lange. Heute um 11 Uhr schlägt ihre letzte Sekunde. Wenn Hermann Havekost nach kurzer Vorwarnung mit der Sirene den Zünder drückt. Dann fallen sie gen Nordstadt. In ein vorbereitetes, 120 Meter langes Bett aus mehr als 8000 Kubikmetern Erde, die mehrere hundert LKW in den vergangenen Tagen herangekarrt haben. Die Betten sollen die Erschütterungen abfangen, wenn die jeweils 4000 Tonnen aus Stahlbeton und Ziegeln zu Boden stürzen.

        Dass die Kamine genau dort landen, wo sie hinsollen, da ist sich Havekost ganz sicher. „Die Schornsteine haben das alles schriftlich, die können gar nicht anders,“ grinst er. Soll heißen: Die gesamte Sprengung ist Ergebnis akribischer Planung. Mehrere Wochen dauerten die Vorbereitungen. „Man guckt sich das Objekt genau und macht seine Berechnungen“, erklärt Havekost. Jetzt sind die Sprengexperten schon seit Tagen mit den Vorbereitungen vor Ort beschäftigt. Während nebenan die „Betten“ gebaut wurden, haben sie jeweils 166 Löcher in die Kamin-Schafte gebohrt, die mit Sprengstoff gefüllt werden. „Etwa 150 Gramm pro Loch“, erklärt Havekost während seine jüngeren Kollegen Jürgen Bauer und Philipp Fischeder die Kamine verkabeln. An der Rückseite wird derweil geschweißt und gebohrt. Am Fallschlitz. Gewissermaßen die Sollbruchstelle des Kamins, der bei der Sprengung in fünf, sechs Metern Höhe abbrechen soll. 

Alles läuft ruhig und bedächtig. „Wir sind halt ein eingespieltes Team. Da muss man nicht viel erklären.“ Mit der gleichen Bierruhe mit der er das sagt, wird Havekost am Sonntag auch die Sprengung auslösen. Die wievielte? Der 70-jährige, der seinen explosiven Job nur noch als „Hobby“ sieht, zuckt die Achseln. „Bei hundert hab ich aufgehört zu zählen.“ Bei so viel Erfahrung kann man sicher sein, dass auch am Sonntag alles glatt geht und die Schornsteine in ihrem weichen Bett landen.

Für Zuschauer, die zuschauen wollen, wie die Riesen fallen, ist das Gelände der Westfalenhütte allerdings taub. Unser Tipp: Eine gute Sichtmöglichkeitkeit gibt es aus sicherer Entfernung aus dem Bereich Hildastraße hinter dem Bauhaus-Baumarkt.

  

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Akribisch werden die Schornsteine auf die Sprengung vorbereitet.

Auch diesen Schornstein wird Sprengmeister Hermann Havekost am Sonntag umlegen.

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