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Rätsel um Müll-Motorroller in Schüren

Jemand war schneller als die Dreckpetze-App

Dortmund Es war ein böser Verdacht, und die Geschichte begann wie in vielen Krimis mit einer Entdeckung im Unterholz. In diesem Fall war es keine Leiche, die Florian Tischler auf seiner Hunderunde ins Auge fiel, sondern ein alter Motorroller. Die Dreckpetze-App sollte die Lösung sein.

Jemand war schneller als die Dreckpetze-App

Laut der Dreckpetzen-App stand der ausrangierte Motorroller so seit Monaten als illegal entsorgter Müll auf dem Verbindungsweg zwischen Erlenbachstraße und Steinbruchstraße in Schüren. Das Gelände gehört der Deutschen Bahn. Foto: Dreckpetze

Monatelang hatte der offensichtlich ausrangierte Motorroller ohne Reifen am Rand eines Verbindungsweges in Schüren gestanden. Dann führte die Entsorgung Dortmund (EDG) die „Dreckpetze“ ein, eine App, mit der Bürger ganz einfach wilden Müll melden können, damit dieser möglichst schnell entsorgt wird.

Florian Tischler dachte an die „Dreckpetze“, als der Motorroller am 18. April nicht mehr am Wegesrand an der Bahnstrecke zwischen Erlenbachstraße und Steinbruchstraße stand, sondern als wilder Müll im Gebüsch lag. Er meldete den Fund an die Dreckpetze und bekam drei Tage später eine Antwort über die App: Der Auftrag sei bearbeitet. Kurz drauf war seine Meldung gelöscht.

Motorroller mit Ästen abgedeckt

Am 3. Mai kam Tischler wieder an dem Fundort vorbei - und traute seinen Augen nicht. Dort lag der Motorroller noch immer im Gebüsch, dieses Mal „lediglich fachmännisch mit Ästen abgedeckt so dass man ihn fast nicht mehr sieht“.

Tischler vermutete, dass EDG- oder Stadtmitarbeiter ihn einfach unter den Ästen verschwinden lassen wollten, statt ihn zu entsorgen.

Diesen Verdacht weist EDG-Sprecher Matthias Kienitz entschieden zurück. Die Meldung, die Florian Tischler über die App erhalten habe, bedeute nicht, dass der Fall abgeschlossen, sondern lediglich in Bearbeitung sei. Weil bereits jemand einen Tag zuvor den Motorroller, also denselben Sachverhalt angezeigt hatte, sei Tischlers Meldung als Doppelmeldung gelöscht worden.

Jemand war schneller als die Dreckpetze-App

Jemand hat den illegal entsorgten Motorroller im Gebüsch mit Ästen abgedeckt. So fand ihn Florian Tischler am 3. Mai auf dem Verbindungsweg zwischen Erlenbachstraße und Steinbruchstraße. Foto: Florian Tischler

Weiterleitung an das Umweltamt

Bei der Prüfung der Meldung durch die EDG habe sich herausgestellt, so Kienitz auf Anfrage, dass in diesem Fall nicht die EDG, sondern möglicherweise die Stadt zuständig sei, da der Motorroller nicht auf einer öffentlichen Wegefläche lag, die unter die Straßenreinigungssatzung fällt. „Es handelte sich um eine unerlaubte Ablagerung auf einer Privatfläche“, erläutert Kienitz, „sonst hätten wir den Roller da weggeholt. Die EDG gerät unter Generalverdacht, weil die Leute nicht differenzieren.“

Wie im Arbeitsablauf über die Dreckpetze vorgesehen, verständigte die EDG am 20. April das dann zunächst zuständige Umweltamt der Stadt, das eventuell den Verursacher ermitteln kann, und informierte auch den Erstmelder des Motorrollers über die App zum Verfahrensfortgang.

Fläche gehört der Bundesbahn

Das Umweltamt nimmt in einem solchen Fall Kontakt mit dem Eigentümer der Privatfläche auf. „Der Roller liegt auf einer Fläche der Netz AG der Deutschen Bundesbahn“, teilte Stadtsprecher Maximilian Löchter mit. Die Stadt habe der DB-Netz AG „den Hinweis gegeben, sich darum zu kümmern.“ Auch Löchter weist den Verdacht zurück, Mitarbeiter der Stadt hätten den Roller einfach abgedeckt: „Niemand hat Blätter oder Äste darüber gelegt.“

Die Pressestelle der Deutschen Bahn konnte auch nach zwei Wochen keine Auskunft darüber geben, wie dort mit der Meldung der Dreckpetze verfahren wurde. Nur so viel ist klar: Spätestens seit dem 14. Mai ist der Motorroller verschwunden. Wer ihn dort weggeholt hat, ist unbekannt.

Mögliche Erklärung

Stadtsprecher Löchter hat eine mögliche Erklärung: Es könnte doch sein, dass jemand den Roller abgedeckt hat, weil er ihn später abholen wollte und niemand ihn vorher entdecken und mitnehmen sollte.

Der Erstmelder bei der Dreckpetze erhielt am 18. Mai die Nachricht über die App, dass die Meldung „erfolgreich bearbeitet“ sei. Die Dreckpetze meldete, noch immer nachzulesen in der App: „Deine Meldung habe ich bereits vor einiger Zeit an das Umweltamt weitergeleitet. Leider habe ich keinen Einfluss auf die Bearbeitungszeit und habe hier auch keine Rückmeldung erhalten. Da deine Meldung aber schon einige Zeit zurückliegt, und ich hoffe, dass sie inzwischen erledigt ist, schließe ich die Meldung für die EDG hier ab.“

Bisher 1212 Meldungen

Seit ihrer Einführung im vergangenen März wird die Dreckpetze von den Bürgern rege genutzt. Bis Freitag gingen 1212 Meldungen bei der EDG ein. Allein am Vormittag waren es sechs neue Meldungen: vom vollen Papiercontainer in der Arnoldstraße und Hinterlassenschaften eines Grillgelages in der Barbarastraße über wilden Müll an der Universitätsstraße bis zu entsorgten Altkleidern am Grüggelsort. 321 Meldungen waren bis Freitag noch in der Bearbeitung.

Florian Tischler übrigens hält die Dreckpetze für „eine Superidee. Andere Städte haben das schon lange.“ Er findet es „aber schade, wenn das nicht klappt.“ Manchmal verschwindet illegaler Müll wie im Fall des Motorrollers eben auf wundersame Weise, und das schneller, als die Dreckpetze reagieren kann. Bei der Dreckpetze heißt dieser Status, wenn der gemeldete Müll zum Beispiel von den EDG-Mitarbeitern vor Ort nicht gefunden wurde: „Ungelöst abgeschlossen.“

Bemerken Bürger wilden Müll, können sie auf ihrem Smartphone ein Foto schießen und es in der Dreckpetzen-App hochladen. Per Ortungsdienst (GPS) ermittelt die App den genauen Standort. Die EDG prüft dann, ob sie selbst für die Entsorung zuständig ist. Liegt der Müll auf privatem Gelände, informiert sie zunächst das Umweltamt, das der Sache weiter nachgeht. Wie bei einer Paketzustellung kann man in der App den Status der Bearbeitung verfolgen.

Neue App für mehr Sauberkeit in Dortmund

Mit der „Dreckpetze“ gegen Schmuddelecken

Dortmund Der Name klingt wie ein schmutziges Schimpfwort, aber die App dient einer sauberen Sache: Die „Dreckpetze“ soll helfen, Dortmund aufzuräumen. Mit ihr ist der Weg zu mehr Sauberkeit in der Stadt eine Sache von Minuten.mehr...

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