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Karikaturen hinter Gittern

Mengede Beim Michaelis-Fest am nächsten Wochenende geht man nicht zum Lachen in den Keller. Aber zum Schmunzeln in den Bunker.

Hinter meterdickem Beton, zwischen Frischluftpumpe, Steinpritsche und Gitterscharten, finden 36 Karikaturen eine Umgebung, die zu ihnen passt wie die Faust aufs Auge.

Es ist schon ein spezielles Vergnügen, die Zeichnung von Gerhard Mester über die absurde Logik der Abschiebehaft zu lesen, die in der alten Gefängniszelle hängt - wer will, kann sich auf der Steinpritsche mit Kantholz-Matratze ganz persönlich mit dem Thema auseinander setzen.

Im ehemaligen Büro des SS-Offiziers hängt gleich ein halbes Dutzend der politischen Karikaturen. Thema der Ausstellung: die deutsche Ausländerpolitik der Jahre 1979-1999. Komplizierte Probleme, mit spitzer Feder aufs Papier und mit schwarzem Humor auf den Punkt gebracht.

Im kleinsten Raum ist gerade genug Platz für einen Stuhl, drei Zeichnungen hängen daneben und dahinter. Hier pflegte der SS-Scherge seinen wohl anrüchigsten Geschäften nachzugehen: "Abort" steht über der Türöffnung.

Aktuell sind die Bilder nach wie vor: "'Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg' - solche Vorurteile gibt es ja immer noch", sagt Heike Steinmetz.

Aus ihrer Sammlung von 200 hintergründigen Spottbildchen wählte sie schon 2001 für das Haus der Geschichte in Bonn die besten aus und versah jedes mit einem kurzen Text zum politischen Hintergrund. Wie komisches Unkraut besetzen die DIN A4-großen Kopien jetzt die Wände des alten Nazi-Schutzbaus.

Die Atmosphäre wirkt immer noch authentisch: Die Decke ist niedrig, der Gang eng, die Luft schal. "Wir mussten die Blätter laminieren, wegen der Feuchtigkeit", erklärt Detlef Huß vom Stadtbezirksmarketing. Vier Wochen lang hat er die Räume entrümpelt. Nach den Karikaturen sollen sie weiter genutzt werden, als "GiB" - Galerie im Bunker.

Doch solange die Karikaturen noch hängen, können Schulklassen mit dem Stadtbezirksmarketing lehrreiche Besichtigungstermine vereinbaren. Denn die Zeichnungen bieten einen kritischen Rundblick über viele Aspekte der Einwanderungspolitik. Und als Ausdruck politischen Ungehorsams haben sie mit dazu beigetragen, dass man heute im Bunker was zu lachen hat. tag

Vom 31.8. bis zum 2.9. jeweils 14 bis 18 Uhr. Katalog mit allen Zeichnungen 5 .

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