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Klartext bei Ruckzuck-Tour

Neun angehende Biologielaborantinnen standen gestern stramm, als NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann bei seiner Ausbildungstour 2007 einen Abstecher zum Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie machte.

Schon befürchtete man, die jungen Damen stimmten ein Ständchen zu Ehren des hohen Gastes an, doch es blieb bei den üblichen Begrüßungsfloskeln. Minister: "In welchen Lehrjahr sind Sie?" Antwort unisono: "Im dritten." Minister: "Wie gefällt Ihnen die Ausbildung?" Antwort unisono: "Gut". Was sollten sie auch sonst sagen.

Der Minister stürmte dann gefolgt vom Tross aus Institutsangehörigen und Journalisten weiter durchs Institut, sagte hier und da guten Tag, ließ sich in Zwei-Minuten-Häppchen von Auszubildenden ihre Tätigkeit erklären, um zu guter Letzt den Ausbildungsverbund Biotechnologie Dortmund zu loben. In dem haben sich neben dem Max-Planck-Institut das Institut für Arbeitsphysiologie, das Institute for Analytical Sciences und zwei Lehrstühle der Uni Dortmund zusammengeschlossen. Sie bilden gemeinsam die neun Biologielaborantinnen aus.

Die Ausbildungstour 2007, seine dritte seit Amtsantritt, bereite ihm mehr Freude als in den Vorjahren, erklärte Laumann, selbst gelernter Maschinenschlosser. Denn überall sei eine Zunahme der Lehrstellen im zweistelligen Bereich zu beobachten. Dennoch sprächen die Zahlen eine klare Sprache: Für 200 000 Schulabgänger in NRW stünden nur gut 100 000 Lehrstellen zur Verfügung. "Weil die Firmen die Wahl haben, werden deren Anforderungen immer höher", so Laumann. Er halte gar nichts davon, den Jugendlichen zu unterstellen, sie seien selbst schuld, wenn sie keine Lehrstelle bekämen, weil sie nicht ausbildungsfähig seien.

"60% der Jugendlichen in den Warteschleifen haben einen Realschulabschluss", so Laumann. Und aus denen müssten doch Schlosser oder Zimmerer zu machen sein.

"Tolle junge Leute"

Sicher gebe es auch Jugendliche, die nicht ausbildungsfähig seien, aber in der Masse habe NRW "tolle junge Leute". "Als ich 1973 aus der Schule entlassen wurde, waren wir auch nicht alle Cracks." Und ein Praktikum sei eine gute Sache, aber nach sieben Praktika dürfe nicht das achte kommen. "Am Ende muss eine Lehrstelle stehen." Der Minister sprach Klartext.

Streicheleinheiten verteilte Laumann selbstverständlich auch, denn die nächste Wahl kommt bestimmt. Ausdrücklich lobte er die mittelständischen Unternehmen, die "das große Rückgrat der dualen Ausbildung sind". Einen Rüffel gab's hingegen für die DAX-Unternehmen: Die hätten sich in der Vergangenheit in Sachen Ausbildung nicht immer so verhalten, wie es ihrer Verantwortung entsprochen hätte.

Der Minister schloss, mancher Arbeitgeber solle vielleicht daran denken, "dass uns auch mal jemand eine Chance gegeben hat, als wir aus der Schule gekommen sind". kiwi

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