Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Kleine Dramen in drei Minuten

Dramen in drei Minuten, so bezeichnet Dominique Horwitz die Chansons von Jacques Brel. Im Konzerthaus fügte der in Paris geborene Schauspieler am Freitag 18 dieser Dramen zu einem Schauspiel in Tönen aneinander.

Begleitet wurde der 50-Jährige von einem der besten Orchester dieses Genres, dem NDR Pops Orchestra, das auch die Filmmusik zum "Wunder von Bern" eingespielt hat. Sein Leiter Enrique Ugarte hat die Chansons perfekt auf Dominique Horwitz' Stimme arrangiert.

"Verlass mich nicht" ("Ne me quitte pas") heißt die CD, die Horwitz im ausverkauften Haus vorstellte und in der er nicht nur mit der Stimme, auch mit Mimik, Gestik und viel Körpersprache in mehr als 18 Figuren schlüpfte. Mit "Madeleine" flirtete er als feuriger Liebhaber, den Säufer ("L'ivrogne") sang er mit knorriger Stimme, und in zarten Tönen, mit geheimnisvoller Stimme, zeigte er die noch junge, frische Liebe.

Manche Figuren sieht und singt Horwitz anders als der französische Chansonier Brel, der in seinem kurzen Leben von nur 49 Jahren mehr als 700 Lieder geschrieben hat: Mit dem weinerlichen Verlierer aus "Cens gens-la" hatte Brel Mitleid - Horwitz stellte ihn als durchtriebenen Denunzianten auf die Bühne, die er mit großer Präsenz und sehr schöner Chansonstimme ausfüllte.

Viele Zwischentöne hatten die Interpretationen, die gesungene kleine Kammerspielen waren - als Charmeur im "Walzer mit 1000 Schlägen", in dem Horwitz die Musik explodieren ließ, und als wilder Geliebter, der seine Frau auf einen Jahrmarkt der Eitelkeiten führt.

Die Atmosphäre der Chansons vermittelten Schauspieler und Orchester hervorragend. Selten hat man Brel so frisch und farbig gehört wie in diesen Arrangements und temperamentvollen Interpretationen. Der "Sommerabend", in dem sich die schwüle Hitze flirrend im Saal ausbreitete und Horwitz' Stimme zu schmelzen schien, war dafür bestes Beispiel. JG

Anzeige
Anzeige