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König Lear im Zirkus

Im Studio hatte Freitagabend das neunte Laien-Projekt des Theaters Premiere; erstmals spielten junge Laien mit Senioren zusammen - wie immer nach professionellen Proben. Weit öffnet Lear zu Beginn die Arme: Vorhang auf, die Vorstellung beginnt! Einen Vorhang aber gibt es nicht im Bühnenbild von Ulrich Schulz, der das Studio in eine Zirkusarena gemacht hat:

König Lear im Zirkus

König Lear, der berühmte Shakespeare-Stoff: Und ewig währt der Generationenkonflikt.

König Lear ist eine alte Frau. Sie trägt Verletzlichkeit und Trotz, Stolz und Schwäche im Gesicht. Selten kann man im Theater diesen Ausdruck so glaubwürdig sehen wie nun in Dortmund bei der 81-jährigen Hauptdarstellerin.

Ulrich Schulz hat  das Studio zu einer Zirkusarena gemacht: Korkgranulat auf der Spielfläche, die Zuschauer sitzen an drei Seiten ums Geschehen herum, ganz nah dran. Auch die anderen Darsteller tragen Zirkus-Kostüme. Es gibt den Akrobaten – Simon Karsten in einer sehr sportlichen Rolle als elastischer Opportunist Edmund. Es gibt die Seiltänzerin – Heike Mohr als Lears Tochter Cordelia, der der Drahtseilakt nicht gelingen mag, für ihr Erbe zu heucheln. Und natürlich Lear selbst. Ilse Apker ist die Zirkusdirektorin, der nach der Vererbung der Krone an ihre Töchter schon bald die Zügel entgleiten.

Nichts kommt, wie es soll, aber alles so, wie es wohl muss: Die Geschichte zwischen Alt und Jung wird sich ewig wiederholen. Regisseurin und Theaterpädagogin Martina Droste hat Shakespeares Königsdrama stark gekürzt, von Seitensträngen befreit und beschränkt sich allein auf den Generationenkonflikt, der in starken Bildern erzählt wird: Die Jungen tragen die Alten auf den Händen, solange es noch etwas zu holen gibt, Lears Töchter (Annika Bochnig, Anna-Christina Reske) kriechen wie die Würmer, um sich einzuschmeicheln. Sobald ihnen das Erbe sicher ist, wird die Mutter als „alberner alter Mensch“ gedemütigt.

Auch der Earl von Gloucester (Joachim Krass) hat Ärger mit den Söhnen; Edmund will das Erbe allein und intrigiert gegen Bruder Edgar (der enorm präsente Claudio Gatzke gibt ein beeindruckendes Bühnen-Debüt). Am Ende sieht sich Edmund als Sieger und setzt allen anderen eine rote Nase auf. Das letzte Wort aber hat singend der Narr (überzeugend als komische Alte: Inge Nieswand): „Wer im Kopf hat nichts als Grütze ...“ Wieder einmal ist es erstaunlich, was Martina Droste in zehn Wochen aus den Anfängern herausgeholt hat. Noch müssen sich einige ein wenig frei spielen, doch schon jetzt überzeugt der Abend.   Termine: 11., 17., 20. 10., Karten unter Tel. 50-2 72 22

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